Rotes Feuer

Rotes Feuer

von Nicole Hicks

Paranormaler Liebesroman (18+), Länge: ca 134 Seiten

1927. Als die rothaarige Florence aufs Land zieht, ahnt sie sofort die Andersartigkeit dieser Gegend. Zunächst hält sie sich von den abergläubischen Bewohnern fern, bis sie den mysteriösen und attraktiven Christoph kennenlernt. Florence spürt sofort, dass er von einem dunklen Geheimnis umwittert ist. Seine imponierende Größe, seine mystische Ausstrahlung, seine magisch funkelnden Augen – ist er überhaupt ein Mensch? Plötzlich taucht ein weiterer Mann in ihrem Leben auf. Auch ihn umgibt eine betörende Aura.

 

Je tiefer sie sich auf die Avancen der unterschiedlichen, jedoch gefährlich faszinierenden Männer einlässt, desto mehr spürt sie, wie sie ihr Herz verliert, obwohl eine Verbindung mit keinem von ihnen sein darf. Die junge Frau ist jedoch fest entschlossen, beider Geheimnisse zu lüften...

"...gefüllt mit Mystik und Romantik."

 

"Spannend bis zum Ende."

 

"Gelungen ... mit Hoffnung auf eine Fortsetzung."

 

"Habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen..."

 

"Wunderbar spannend geschrieben. Bin begeistert."

 

Amazon Bewerter

Leseprobe:

 

Seit Tagen schloss Florence jeden Morgen ihren gemütlich gestalteten Laden auf und hoffte, dass die Bewohner von Lacock ihr eine Chance geben würden. Aber niemand, wirklich niemand kam. Kein Mensch im Dorf schien das Bedürfnis zu haben, ein Buch bei ihr zu kaufen. Bis auf Peter, der sich tatsächlich einiges an Fachliteratur zulege, blieb der Laden leer. Florence überlegte schon, ob sie sonntags nicht doch die Messe besuchen sollte. Father Benedict mochte auf sie unhöflich und sehr merkwürdig wirken, aber er schien die Dorfgemeinde im Griff zu haben. Sie spielte gerade ein wenig mit Wolf im Nebenzimmer, da ertönte die Türklingel, die Kundschaft ankündigte.

 

„Hallo? Ist hier jemand?“

 

Florence vernahm eine dunkle, ausnehmend männliche Stimme und fuhr erschrocken hoch. Das war nicht Peter.

 

„Ja, natürlich. Bitte einen Moment noch.“

 

Hastig warf sie im Vorübergehen einen Blick in den Spiegel und versuchte, sich eine widerspenstige Haarsträhne, die sich aus ihrer Hochsteckfrisur gelöst hatte, hinters Ohr zu klemmen. Dann lief sie schnell hinüber. Lächelnd stellte sie sich hinter die Theke und betrachtete ihren neuen Kunden intensiv.

 

„Was kann ich für Sie tun?“

 

Ihr Gegenüber sagte zunächst nichts und sah sie nur verwundert an. Florence hätte in dieser Minute auch überhaupt kein Wort herausbekommen. Was für ein gut aussehender Mann! Er war bestimmt einen ganzen Kopf größer als sie, hatte dunkle, streng nach hinten gekämmte Haare und die faszinierendsten Augen, die sie je gesehen hatte. Sein umwerfendes Aussehen und sein Charisma wurden durch seine edle Kleidung, besonders durch den langen Umhang, deutlich unterstrichen. Der Fremde war komplett in Schwarz gewandet und sah darin sehr apart aus. Florence schmolz dahin.

 

„Können Sie mir bis Mitte nächster Woche etwas Wichtiges liefern?“

 

Aus dunklen, fast schwarzen Augen blickte der Fremde sie fragend an. Was für eine Eleganz er ausstrahlte! Unglücklicherweise war Florence dermaßen überwältigt gewesen, dass sich der Inhalt seiner Worte irgendwo auf dem Weg ins Hirn verflüchtigt hatte.

 

„Entschuldigen Sie bitte. Ich habe Ihre Frage nicht verstanden.“

 

Der Fremde lächelte verständnisvoll.

 

„Mein Name ist Lord Christoph van Vlad und ich hatte mich erkundigt, ob Sie mir eine bestimmte Literatur direkt auf mein Schloss liefern würden.“

Florence zuckte jetzt zusammen.

 

„Wie bitte? Sagten Sie gerade Schloss?“

 

Lord Christoph lächelte Florence jetzt noch ein wenig mehr an.

 

„Irgendetwas an mir scheint Sie so zu faszinieren, dass Sie meinen Worten nicht folgen können. Dabei könnte man sich doch viel eher in Ihren ungewöhnlichen Augen verlieren.“

 

Florence senkte verlegen den Blick.

 

„Ich muss mich noch einmal bei Ihnen entschuldigen. Sie möchten ein bestimmtes Buch und jenes sollte Ihnen persönlich zugestellt werden. Habe ich Sie jetzt richtig verstanden, mein Herr?“

 

Er lächelte. In diesem Augenblick schoss Wolf zu ihnen in den Laden. Florence stürmte vor, damit sich der Wolf nicht in ihren Kunden verbiss, doch sie stoppte mitten in ihrer Bewegung. Ungläubig sah sie, wie Lord Christoph einen Finger an den Mund hielt und einen leisen, knurrenden Laut ausstieß. Wolf gehorchte ihm sofort und legte sich friedlich hin.

 

„Da haben Sie aber einen netten kleinen Begleiter. Und gleich so gelehrig. Sie verstehen etwas von Hunden und ihren wilderen Vorfahren?“

 

Wolf saß derweil immer noch ruhig und lang ausgestreckt auf dem Boden und beobachtete den Lord.

 

„Nicht wirklich. Dieser kleine Kerl ist mir vor einigen Wochen einfach zugelaufen.“

 

Während sie fast mechanisch seinen Bücherwunsch aufschrieb, wunderte sie sich, warum er ihr vertraut vorkam. Selbst seinen Geruch, der jetzt unweigerlich zu ihr hinüberströmte, meinte Florence bereits zu kennen. Interessiert schaute sie zu ihm hoch. Er blickte ihr tief in die Augen.

 

„Sie können sich darauf verlassen, dass ich Ende der Woche persönlich zu Ihnen komme und das Gewünschte vorbeibringe. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“

 

Der Lord lächelte geheimnisvoll, deutete eine leichte Verbeugung an und zog sich dann zurück. An der Tür blieb er jedoch noch einmal stehen.

„Passen Sie gut auf sich auf, Florence Brenton.“

 

Wie ein Spuk war er verschwunden. Florence musste sich zunächst einmal setzen und diesen Mann verkraften. Ein Schloss. Schloss Dracula womöglich. Ha!

 

Florence schloss ihren Laden und gab schnell noch beim Postamt die georderte Literatur in Auftrag. Christoph van Vlad ging ihr nicht aus dem Kopf. Wer oder was zum Teufel war er? Ein Mann wie er konnte nicht von dieser Welt stammen. Schon allein der Gedanke an ihn ließ Florences Körper erzittern. Sie musste ihn unbedingt wiedersehen.

 

***

Das angeforderte Päckchen kam früher als erwartet. Florence stand gerade in ihrem Laden und sortierte Bücher. Noch bevor die Glocke anschlug, ertönte die kräftige Stimme des Postbeamten und verriet, wer da in den Shop betrat.

 

„Post für Sie, Miss Florence.“

 

Erstaunt ging sie in den Laden hinüber.

 

„Hallo, Mr. Moore. Danke, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, hier vorbeizukommen. Das ist sehr freundlich von Ihnen.“

 

Verantwortungsbewusst straffte der Postbote seine Schultern und legte einen Brief und ein Paket auf den Tresen. Florence unterschrieb die Annahme und wünschte dem Mann noch einen schönen Tag. Höflich grüßend verschwand der ältere Herr. Florence riss zuerst das Paket auf. Tatsächlich, es war das angeforderte Buch vom Lord: „Bury Me Deep“ von einem gewissen Harry Becker. Florence kratzte sich am Kopf. Weder von dem Titel noch vom Autor hatte sie je etwas gehört. Wie auch immer. Unwichtig! Sie überlegte. Ob sie Lord van Vlad das Buch heute noch liefern sollte? Es könnte spät werden, aber eine Uhrzeit war nicht ausgemacht gewesen.

 

Danach öffnete sie den Brief. Er stammte von Cloe. Darin erkundigte sie sich, wie es Florence ging. Ihre Schwester hatte sich die Arbeit im Buchladen alleine schwierig vorgestellt, aber es klappte soweit sehr gut. Zudem hatte Cloe einen jungen Mann namens Ken kennengelernt, der ihr bereits seit Wochen den Hof machte. Blond, gut erzogen, höflich, etwas verunsichert, aber ansonsten sehr solide. Florence musste laut auflachen. Wenn Ken nur ahnen würde, in welche Fänge er geriet, sollte Cloe Ernst machen! Anscheinend wollte er es aber so. Gut, dann könnte ihre Schwester bald unter die Haube gebracht sein. Florence freute sich, dass Cloes Geschäft florierte. Wenigstens bei einer von ihnen lief der Buchverkauf. Florence seufzte. Heute hatte wieder kaum jemand den Laden betreten. Weil sie nicht davon ausging, einen plötzlichen Ansturm zu verpassen, schloss Florence früher. Lieber Dracula-Schloss als leerer Laden. Aufmerksam studierte sie die Landkarte, um sich den Weg zu van Vlads Residenz einzuprägen. Plötzlich sprang Wolf an ihrem Schreibtisch hoch, schnappte sich die Karte und sauste schwanzwedelnd davon. Florence rannte erbost hinter ihm her.

 

„Komm sofort zurück, Wolf! Wie soll ich denn zum Lord gelangen, wenn du die Karte zerfetzt?“

 

Stöhnend fing Florence den Wolf ein und versuchte, ihm die Karte abzuringen. Seufzend betrachtete sie die einzelnen Teile. Dieser kleine Frechdachs! Wolf konnte es kaum erwarten, endlich Heim zu gehen.

 

„Wir gehen heute nicht direkt nach Hause. Wir statten unserem Kunden vorher noch einen Besuch ab und bringen ihm sein Buch.“

 

***

 

Ende der Leseprobe