Erdenbraut

Erdenbraut (Alien)

Science Fiction Liebesroman (18+), Länge ca. 168 Seiten

Jennas Exfreund ist untergetaucht und hat ihr jede Menge Spielschulden bei einem zwielichtigen Casinobetreiber hinterlassen, die sie nun bezahlen soll. Als sie sich weigert, bedroht er ihre Eltern und gibt ihr 48 Stunden, um das Geld aufzutreiben.

 

Rasquar Raell Dah'riss ist mehr als zufrieden mit dem Leben, das er führt. Als oberster Warlord der Nagaheri dient er dem König und genießt die Achtung seines Volkes. Er liebt es, zu kämpfen und zu erobern. Für eine einzige Frau hat er keine Zeit, auch wenn er unter den weiblichen Nagaheri den Ruf eines Schürzenjägers genießt.

 

Jenna bleibt nur eine Möglichkeit, um schnell an die erforderliche Geldsumme zu kommen. Kurzentschlossen willigt sie ein, an einer Versteigerung teilzunehmen. Dort werden menschliche Frauen meistbietend an Aliens verkauft. Eine Garantie auf Glück, Ehe oder sogar Liebe gibt es nicht. Die Auktion bringt aber genügend Geld, um den schmierigen Spielhallenfürsten zu bezahlen und ihren Eltern einen ruhigen Lebensabend zu ermöglichen. Nun muss sie sich auf die Reise zu den Nagaheri machen, einer Rasse, die im Universum für ihren Stolz und ihre Kampfeslust berüchtigt ist.

 

Doch der Mann, der sie angeblich ersteigert hat, weiß nichts von seinem Glück und fällt aus allen Wolken, als sie vor seiner Tür steht...

"Toll geschrieben und gekonnt miteinander verbunden."

 

"Wow... es hat mal wieder echt Spaß gemacht von dieser Autorin zu lesen.."

 

"Ich bekomme einfach nicht genug von diesen heißen Geschichten..."

 

"Super Geschichte. Musste sehr oft lachen."

 

"Starke Geschichte...ganz anders als erwartet.....Empfehlenswert!!!"

 

"... habe es in einem Rutsch durchgelesen."

 

Amazon Bewerter

Leseprobe:

 

Mit zitternden Fingern setzte Jenna Black ihren Namen unter das Dokument, das ihr Schicksal besiegelte. Die Frau vor ihr lächelte gewinnend, soweit das mit einem Haifischgrinsen im Gesicht möglich war, und schüttelte ihr die Hand. „Danke, dass Sie sich für SpaceWives entschieden haben“, leierte sie herunter und warf einen kaum verborgenen Blick auf ihre diamantblitzende Armbanduhr. Das Geschäft mit den Frauen, die ihre Firma meistbietend an Aliens aus dem gesamten Universum versteigerte, musste ausgezeichnet gehen. Auch ihr maßgeschneidertes Kostüm und der exakt sitzende Haarschnitt schrien ihren materiellen Reichtum geradezu hinaus. Nun, da Jenna den Vertrag unterschrieben hatte, konnte die Frau ihre Ungeduld kaum bezähmen. Die nächste Bewerberin wartete schon.

 

Jenna seufzte und schritt hocherhobenen Hauptes zur Tür hinaus. Es gab nichts, wofür sie sich schämen musste, versicherte sie sich zum tausendsten Mal an diesem Vormittag. Schließlich war es nicht ihre Schuld, dass Flynn Boyle 100.000 Dollar von ihr verlangte und drohte, ihren Eltern und ihrer Schwester Cassie die Zungen abzuschneiden, sollte sie nicht innerhalb von 48 Stunden zahlen. Verdammter Hank Scalebright. Er war derjenige, der seine Spielsucht nicht unter Kontrolle hatte, während Jenna von morgens bis spät in die Nacht schuftete, um die Rechnungen zu bezahlen. Leider war er abgetaucht, bevor sie ihn eigenhändig hatte umbringen können. Ihr Freund, nein – ihr Exfreund, hatte ihre Unterschrift gefälscht auf einem Schuldschein, der nun im Besitz des widerlichsten und skrupellosesten Casinobetreibers auf der ganzen Erde war. Und natürlich hatte Boyle die Schulden eingefordert, sobald Hank nicht wie sonst üblich in einer seiner Spelunken aufgetaucht war. Hank hatte es sogar geschafft, ihren Fingerabdruck auf das Dokument zu pressen. Das machte Boyles Forderungen unangreifbar, denn diese Methode galt als absolut fälschungssicher. Zusammen mit „ihrer“ Unterschrift gab es keine Möglichkeit, den Kopf wieder aus der Schlinge zu ziehen. Natürlich hätte sie sich an die Behörden wenden können, aber jeder wusste, dass Boyle das ganze Glücksspiel-Department in seiner Tasche hatte. Bis sie jemanden gefunden hatte, der etwas gegen ihn unternahm, hätte er längst seine Schergen zur Wohnung ihrer Eltern geschickt.

 

Also hatte sie all ihren Mut zusammengenommen und war zu SpaceWives gegangen, um sich versteigern zu lassen. Es gab eine garantierte Mindestsumme, von der natürlich noch eine schöne Provision abgezogen wurde, aber ganz offensichtlich gab es eine Menge Aliens, die Bedarf an weiblicher Gesellschaft hatten. Jenna schnaubte, als sie an den irreführenden Namen der Agentur dachte. Es wurde nirgendwo vertraglich garantiert, dass die Frauen, die sich zu diesem Schritt entschlossen, den Status einer Ehefrau bekamen. Wenn der Mann, der sie gekauft hatte, eine willige Sexsklavin suchte, dann hatte sie wohl Pech gehabt. Die Käufer unterzeichneten zwar, dass sie ihr neues Eigentum gut und menschenwürdig behandeln würden, aber wer wollte das kontrollieren? Im Internet kursierten wilde Gerüchte über Frauen, die ganzen Horden von Aliens zu Willen sein mussten. Andererseits gab es aber auch immer wieder Berichte darüber, dass einige der ersteigerten Damen nun glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende an der Seite eines sexy Alphamannes leben würden.

 

Während Jenna von einem miesepetrig aussehenden Mann in die Umkleide geführt wurde, fragte sie sich, wo sie wohl landen würde. Ohne ein Wort wies der Mann auf eine Reihe von knappen Bikinis, die nach Farben sortiert an einer Kleiderstange hingen. Nun, da sie den Vertrag unterschrieben hatte, kam die Maschinerie ins Laufen. Fotos von ihr würden noch heute Abend veröffentlicht, dazu kamen ihre Maße und ihr Gesundheitszeugnis. Die Auktion startete um Mitternacht und endete morgen früh um 10.00 Uhr. Sie hatte also noch knapp 18 Stunden, um sich von ihren Eltern zu verabschieden, bis der Chauffeur der Agentur sie abholte, um sie in den nächsten Flieger zu verfrachten. Gepäck war nicht nötig, so hatte man ihr eingeschärft, denn sie würde in ihrer neuen Heimat mit allem versorgt, was sie brauchte. Jenna seufzte noch einmal, während sie wahllos einen Bikini herauszog. Er war rot und passte gut zu ihrer rotblonden Mähne, die sie wie üblich in einem Knoten am Hinterkopf festgesteckt trug. Nun, wenn sie gut genug aussehen wollte, um eine Menge Geld zu verdienen, dann musste sie sich wohl oder übel mit dem Prozedere abfinden. Das Oberteil bedeckte nicht einmal die Hälfte ihrer üppigen Oberweite, und der String verbarg so gut wie nichts. Sie ließ die Locken auf die Schultern fallen und fuhr sich einmal mit allen zehn Fingern durch das Haar. Ob Alienmänner wohl auf die gleichen Attribute wie ihr menschliches Pendant standen? Nun, sie würde es schnell genug herausfinden. Tränen traten ihr in die Augen und schnell schob sie den Gedanken an ihre ungewisse Zukunft zur Seite. Das Letzte, was sie nun gebrauchen konnte, waren Bilder, auf denen sie verheult und so verzweifelt aussah, wie sie sich fühlte. Dann würde womöglich kein einziger Alien für sie bieten, und das käme einem Todesurteil für ihre Familie gleich.

 

Die Nacht verging viel zu schnell. Jenna beobachtete, wie die Gebote für sie immer weiter nach oben schnellten, je näher der Morgen kam. Zwischendurch versagte der Bildschirm, und die Ungewissheit trieb sie beinahe in den Wahnsinn. Als das Bild schließlich wiederauftauchte, krisselig zwar und wie in ein Schneetreiben getaucht, hielt sie den Atem an. 356.987 Dollar. „Lord Darkness“ bot sich ein heftiges Wettbieten mit dem „King of the Universe“, und der Betrag erhöhte sich quasi im Minutentakt. Plötzlich war sie froh, dem Drängen des Fotografen nachgegeben zu haben. Er hatte auf einem „Wet and Sexy“ Fotoshooting bestanden, bei dem er sie von Kopf bis Fuß mit einer Sprühpistole bearbeitete. Ganz offensichtlich fanden Aliens tatsächlich glitzernde Tautropfen auf der Haut und einen fast durchsichtigen Bikini ebenso anziehend wie menschliche Männer.

 

Punkt zehn Uhr stand der Gewinner fest, und Jenna sah mit einem Gefühl von Unwirklichkeit auf die Summe, die er bereit war für sie zu zahlen. Eine halbe Million Dollar! Leider gab es keinerlei Informationen zu den Bietern. Weder Fotos noch Angaben zu ihrem Heimatplaneten fanden sich auf der Website. Während Jenna immer noch ungläubig auf den Monitor starrte, summte ihr interaktives Armband. Der Chauffeur von SpaceWives wartete auf sie.

Sie warf noch einen letzten Blick auf ihre erbärmlichen Habseligkeiten. Es waren keine teuren, edlen Sachen, aber es war ihr Eigentum. Sie hatte hart gearbeitet, um sich den kleinen Computer leisten zu können, auch wenn er nur aus dritter Hand war. Gleiches galt für das Lesegerät, mit dem sie wenigstens für kurze Zeit in fremde Welten hatte abtauchen können. Sie schluckte, um den dicken Kloß in ihrem Hals zu vertreiben, doch als ihr Blick auf das gerahmte Foto auf dem Nachttisch fiel, gab es kein Halten mehr. Es zeigte sie, ihre Eltern und ihre jüngere Schwester zu einer der seltenen Gelegenheiten, als sie alle glücklich gewesen waren. Cassie schielte auf ihren Geburtstagskuchen mit den 17 Kerzen und wurde von ihr und den stolzen Eltern flankiert. Hank hatte das Bild geschossen, bevor er sich unter einem Vorwand von der Familienfeier verabschiedet hatte. Sie hätte es damals schon wissen müssen, dass er ein unzuverlässiger Taugenichts war. Seine charmante, unbekümmerte Art hatte es ihr leicht gemacht, seine Fehler zu ignorieren.

Wortlos öffnete der Chauffeur den Verschlag des Wagens und ließ sie einsteigen. Buchstäblich jeder in der Stadt kannte das auffallende, luxuriöse Gefährt, mit dem die glücklichen Bräute zu ihren Ehemännern gekarrt wurden. Der blinkende Schriftzug hatte auch diesmal dafür gesorgt, dass sich zahllose Gaffer um die Limousine versammelt hatten. Vereinzelt wurden Pfiffe laut, als Jenna sich auf den weichen Ledersitzen niederließ und ganz vergaß, dass sie nur ein kniekurzes Kleid trug. Irgendwo in der Menge meinte sie Hank zu sehen, der sie mit unglücklichem Gesicht anstarrte. Sie trotzte dem Impuls, aus dem Wagen zu springen und ihn bewusstlos zu schlagen, und nickte dem Fahrer hoheitsvoll zu. Als die dunkel getönten Scheiben hochfuhren und der Mann am Steuer endlich Gas gab, atmete sie erleichtert aus. Alles erschien ihr in diesem Moment besser, als sich von den Leuten anstarren zu lassen und die leise gewisperten Kommentare zu erahnen. Wie schlimm konnte es noch werden?

 

Als sie sich dem Internationalen Raumschiff-Flughafen näherten, klopfte Jenna an die Scheibe, die sie vom Fahrer trennte. Bereitwillig ließ er sie nach unten fahren. „Ja, Ma’am?“ Sein breiter Akzent verriet, dass er irgendwo aus dem mittleren Westen kam.

 

Nervös strich sich Jenna eine Strähne aus dem Gesicht. „Die Sache mit dem Geld ist doch geregelt, oder? Ich meine, dass der Betrag auf zwei Konten überwiesen wird statt auf eines?“ Er warf ihr einen gelangweilten Blick zu, in dem auch ein Hauch von Verachtung lag.

 

„Sicher. Alles läuft wie besprochen.“ Er schnaubte kurz, und plötzlich stieg in Jenna eine ungeheure Wut auf. „Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind, Sie Rotzlöffel? Wer gibt Ihnen das Recht, sich ein Urteil über mich anzumaßen?“

 

Er zuckte die Achseln und verzog die Mundwinkel. „Es ist doch immer das Gleiche mit euch dummen Hühnern“, spie er die Worte hervor. „Ihr habt nur das Eine im Kopf, und das ist Geld. Ist das Geld auch sicher auf meinem Konto? Wie viel bleibt denn übrig nach der Gebühr?“, äffte er mit Falsettstimme nach. „Gleich danach kommt der Sex. Oh Mann, was haben diese Aliens nur, das wir nicht haben? Warum müssen sich unsere Frauen an diese Fremden verkaufen, statt brav zuhause zu bleiben und menschliche Kinder zu bekommen?“

 

Irgendetwas in Jenna zerbrach. Sie ballte die Fäuste und grub ihre Fingernägel tief ins Fleisch, um dem Blödmann vor ihr nicht die Augen auszukratzen. Aber eine Landung im Straßengraben würde ihr jetzt nichts bringen. „Wenn es nicht solche Idioten wie Sie gäbe, die Frauen für den letzten Dreck halten, dann müssten wir nicht unseren Körper verscherbeln und unsere Seele verkaufen.“

 

„Niemand zwingt Sie, Lady“, gab er zurück und reichte ihr einen Umschlag. „Wir sind gleich da, also sollten Sie sich besser beruhigen. Hier sind die Unterlagen mit den Details zu Ihrem neuen… Ehemann.“ Er zog das Wort deutlich in die Länge, und Jenna wurde blass. Wusste dieser miese Typ etwas über den Mann, der sie ersteigert hatte? War es etwa ein besonders abstoßender und brutaler Typ, dem sie für den Rest ihres Lebens ausgeliefert sein würde? Sie zwang sich, den Umschlag in ihrer Handtasche zu verstauen und schwor sich, erst dann einen Blick darauf zu werfen, wenn der Fahrer außer Sichtweite sein würde. Gott sei Dank verkniff er sich für die restliche Fahrt jeden Kommentar und lieferte sie schließlich am Gateway ab, das für Passagiere zu entfernten Destinationen reserviert war.

 

Die hübsche Stewardess war nach dem Fahrer eine merkliche Verbesserung. Immerhin war sie höflich, wenn auch etwas distanziert, als sie Jenna in ihre Kabine führte. Bis zum Abflug dauerte es noch etwa eine Stunde, sie hatte also genug Zeit, sich mit ihrer Zukunft vertraut zu machen. Ihre Hände zitterten, als sie den Umschlag aufriss, und ihr Herz klopfte zum Zerspringen. Als Erstes fiel ihr Blick auf die Belege für den Geldtransfer. Alles war korrekt verbucht. Zumindest um ihre Familie musste sie sich also keine Sorgen mehr machen. Und das, ermahnte sie sich, war erst einmal das Wichtigste. Dann blätterte sie um. Ihr Blick fiel auf ein Foto des Alienmannes, und der Atem, den sie angehalten hatte, entwich ihren Lungen mit einem pfeifenden Geräusch.

 

Er sah umwerfend aus. Sie konnte nicht anders als einmal kurz vor Erleichterung aufzuschluchzen, als sie sein Gesicht betrachtete. Es wirkte beinahe menschlich, wenn man die Augen ein wenig zusammenkniff und der Blick noch dazu durch einen Tränenschleier getrübt wurde. Die hohen Wangenknochen und die kühne Adlernase verliehen ihm etwas Edles. Sein Kinn war ein wenig spitz in dem breiten, angriffslustig wirkenden Kiefer, wenn auch markant. Das platinfarbene Haar fiel ihm bis auf die breiten Schultern. Einzig seine Augen wirkten fremd durch die durchgehende goldgelbe Färbung, in deren Mitte sich eine tiefschwarze Pupille befand. Leider endete das Bild an den Schultern, sodass Jenna sich von seinem restlichen Körper keinen Eindruck verschaffen konnte. Sie betrachtete das Bild noch einmal und versuchte sich vorzustellen, wie es wäre, ihn zu küssen. Sein Gesichtsausdruck war vollkommen neutral, frei von jeder Emotion, weshalb all ihre Versuche fehlschlugen. Nun, jetzt blieb ihr nichts anderes als Geduld zu haben und das Beste zu hoffen.

 

Jenna blätterte weiter und sog begierig die Informationen auf, die in der kurzen Akte versammelt waren. Ihr Ersteigerer hieß Rasquar Dah’riss und kam aus der dritten Karan-Galaxie. Sein Heimatplanet war Naga-Ka, ein Ort, von dem sie noch nie gehört hatte. Was näher betrachtet auch kein Wunder war, denn die dritte Karan-Galaxie war so weit von der Erde entfernt, dass man sie getrost als Ende der Welt bezeichnen konnte. Was bedeutete, dass sie sich auf einen ewig langen Kälteschlaf einstellen konnte. Nun, immerhin musste sie in diesem Fall nicht einen Monat ungeduldig darauf warten, endlich in ihrer neuen Heimat anzukommen. Der Kälteschlaf wurde nur eingesetzt, wenn die Reisezeit bis zum Ziel mehr als drei Monate betrug, und galt als absolut ungefährlich. Ihr Körper würde in den absoluten Ruhezustand versetzt, und wenn sie wieder aufwachte, würde für ihr Zeitgefühl keine Minute vergangen sein. Ob man im Kälteschlaf wohl träumte? Jenna beschloss, sich vor dem Einschlafen fest auf eine goldene Zukunft mit Rasquar zu konzentrieren.

Als die Stewardess kam, um ihr die vorbereitende Injektion zu geben, legte Jenna die Papiere beiseite. „Man wird Ihnen während des Kälteschlafs auf Wunsch ihres zukünftigen Ehemannes einen Sprachchip implantieren“, informierte die Frau sie, während sie Jenna die rötlich schimmernde Flüssigkeit injizierte. „Entspannen Sie sich. Wenn Sie in einem Jahr aufwachen, sind Sie am Ziel ihrer Träume angekommen.“ Sie tätschelte noch einmal beruhigend Jennas Arm. Doch sie spürte die Geste kaum noch. Ihr letzter bewusster Gedanken galt Rasquar, dem Mann mit dem platinblonden Haar und den beunruhigenden Augen.

 

***

 

Jenna war der letzte Passagier, der aus dem Kälteschlaf erweckt und vertragsgemäß auf Naga-Ka abgesetzt wurde. Und sie war die einzige Frau. Es gab also keine Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen, die vielleicht ein ähnliches Schicksal erwartete wie Jenna. Ihre Ankunft unterschied sich nicht besonders vom Abflug. Sie wurde aus dem Raumschiff geschleust, passierte den obligatorischen Gesundheits-Checkpoint und wurde von einem Mann in Empfang genommen, der sie bei Rasquar Dah’riss abliefern sollte. Mit einem Klick legte er ihr ein Armband um, das ein summendes Geräusch von sich gab und dann verstummte. Fragend hielt sie ihr Handgelenk in die Höhe. “Was ist das?“

 

Der kleine Mann mit dem wieselartigen Gesicht zuckte die Achseln. „Anweisung der Agentur“, schnarrte er. Die Worte, die sie deutlich verstand, passten nicht zu seinen Mundbewegungen, aber ganz offensichtlich funktionierte der Übersetzungschip. „Verhindert die Flucht.“

 

Sie hob das Handgelenk. „Dieses Ding? Wie funktioniert es?“

 

„Keine Ahnung.“ Erneutes Achselzucken. „Ich rate dir nur, es lieber nicht auszuprobieren. Du könntest von der langen Reise noch etwas geschwächt sein.“ Er grinste fies und entblößte dabei rasiermesserscharfe Zähne.

 

Ob die Agentur wirklich Angst hatte, dass sie allein und auf einem wildfremden Planeten die Flucht ergriff? Die fremdartige Umgebung ermutigte sie nicht gerade, Fluchtpläne zu schmieden, abgesehen davon, dass sie einen Vertrag unterzeichnet hatte. Und an den würde sie sich halten. Hoffentlich sah ihr neuer Alienmann das genauso. Ihr Begleiter winkte ein Lufttaxi heran, während sie mit offenem Mund in den Himmel starrte. Jenna wusste, dass sie auf eine fremdartig wirkende Umgebung hätte gefasst sein sollen, aber der Anblick der Stadt und des Horizonts überwältigten sie. Im Himmel kreisten drei Monde, die ein rötliches Licht auf den Planeten warfen. In der Ferne erhob sich die Stadt. Terrassenförmig erstreckten sich die Gebäude auf sanften Hügeln und schmiegten sich an die Rundungen, sodass der Gesamteindruck beinahe der eines lebenden, atmenden Organismus war. Wenn man genau hinschaute, konnte man eine riesige Kuppel sehen, die die Stadt überspannte und das rötliche Licht zurückwarf.

 

Ohne es zu merken, war sie stehengeblieben und nahm all die neuen Eindrücke in sich auf. Die Luft fühlte sich in ihren Atemwegen irgendwie dicker an als auf der Erde, fast schon zähflüssig. Außerdem hatte sie einen leichten Hauch von Schwefel, der ihre Augen reizte und sie blinzeln ließ. In der Ferne konnte sie etwas ausmachen, dass sie für Wälder hielt. Erst als das Armband zu kribbeln begann, kehrte sie in die Wirklichkeit zurück. Suchend sah sie sich nach ihrem Begleiter um und entdeckte ihn, wie er etwa 20 Meter entfernt lächelnd zu ihr herübersah. Er tat zwei Schritte, und das Kribbeln verstärkte sich zu einem leichten Brennen. Da begriff sie, dass er sie mit voller Absicht hatte stehen lassen, um ihr die Wirksamkeit des Fluchtschutzes zu demonstrieren. Blödmann, dachte Jenna und lief im Laufschritt zu ihm. Er bestieg das Taxi, und noch während sie sich abmühte, hinter ihm einzusteigen, nannte er dem Fahrer das Ziel.

 

Es dauerte keine zwanzig Minuten, bis sie ziemlich weit oben in der Stadt hielten. Jenna stieg aus und erkannte auf den ersten Blick, dass sie in einer der besseren Wohngegenden angekommen sein mussten. Das, oder die Bewohner mussten unglaublich wohlhabend sein. Vor ihr lag ein Haus, das man wohl eher als Palast bezeichnen konnte. Zwei mächtige Kreaturen standen mit gekreuzten Speeren vor der Eingangstür und stießen ein warnendes Schnauben aus, als sie sich den beiden näherten. Jenna versuchte, sich ihre Angst nicht anmerken zu lassen und sie nicht anzustarren. Sie waren ungefähr doppelt so groß wie sie selbst und mindestens doppelt so breit. Mit nichts als einem Lendenschurz bekleidet, standen sie breitbeinig da und fixierten die Ankömmlinge. Aus ihren Kiefern wuchsen Hauer, und ihre klauenbewehrten Hände sahen aus, als könnten sie einen Gegner mit Leichtigkeit entzweireißen.

 

Ihr Begleiter versank in einer tiefen Verbeugung und stieß sie an, damit auch Jenna sich vor den Wächtern verbeugte. Sie neigte den Oberkörper um einige Grad nach vorne, gerade genug, um eine respektvolle Verneigung anzudeuten. „Ich bin gekommen, um diese menschliche Frau bei eurem Herrn abzuliefern“, sagte der Mann, und sie hörte ein leises Zittern in seiner Stimme. Kein Wunder, denn beide Kreaturen richteten ihre ganze Konzentration nun auf ihn. Ihre hervorquellenden Facettenaugen nahmen seine ganze Erscheinung in sich auf. Als einer der beiden den Mund öffnete, war seine Stimme erstaunlich angenehm. Jenna hatte ein hässliches Geräusch erwartet, das zum äußeren Erscheinungsbild der Wächter passte. Stattdessen klang die tiefe Stimme erstaunlich melodisch und klar. „Unser Herr hat uns nichts darüber gesagt, dass er eine Menschenfrau erwartet.“ Seine hochgezogenen, buschigen Augenbrauen verrieten, dass er dies auch für mehr als unwahrscheinlich hielt. Damit wandten sie sich ab, als sei die Sache nun erledigt. Aber obwohl ihm der Schweiß auf die Stirn trat, weigerte sich der Mann aufzugeben.

 

„Dann bitte ich Euch darum, euren Herrn zu informieren. Ich habe die korrekten Frachtpapiere bei mir.“ Die linke Kreatur streckte ihre Klaue aus, aber er schüttelte nur den Kopf. „Aus Gründen der Diskretion kann ich sie niemandem außer dem rechtmäßigen Empfänger der Ware zeigen. Wenn Ihr also bitte euren Gebieter rufen würdet, wäre ich Euch sehr zu Dank verbunden.“ Die Wächter sahen einander an, und Jenna konnte sehen, dass etwas Unausgesprochenes zwischen ihnen hin und her ging. Mit einem Blick auf die Passanten, die ihre Schritte deutlich verlangsamten, wenn sie an ihnen vorbeischlenderten, trat der eine zurück und verschwand durch die Tür.

 

Jennas Herz klopfte zum Zerspringen. Warum erwartete Rasquar sie nicht? Bestimmt hatte ihn die Agentur über ihr Ankunftsdatum informiert. Ihr Magen zog sich zusammen. Irgendetwas stimmte nicht. Hatte er sich anders entschieden? Vielleicht wollte er sie nicht mehr. Dann müsste sie zurückreisen und das Geld zurückgeben, sofern das überhaupt möglich war. Oder, noch schlimmer, man würde sie irgendwo aussetzen und an den Erstbesten verkaufen, der Bedarf für eine menschliche Frau hatte.

 

Als der Torwächter schließlich zurückkehrte, wurde er von einem hochgewachsenen Mann begleitet, der ihr vage bekannt vorkam. „Ich habe keine Frau bestellt“, herrschte er ihren wartenden Begleiter an, der sich sofort auf die Knie fallen ließ. Der Impuls, ihn wieder auf die Beine zu zerren, wurde beinahe überwältigend. Was sollte dieses ganze Theater? Schließlich war sie kein Bittsteller, der einen hochwohlgeborenen Lord mit einem Haufen Dreck belieferte. Sie richtete sich zu ihrer stolzen Größe von 1,68 m auf und warf den Kopf in den Nacken.

 

„Bring mich zu deinem Herrn“, wies sie den Mann an. „Er erwartet mich.“ Seine fein geschnittenen, dunklen Augenbrauen zogen sich zornig zusammen, und sein Kiefer schob sich auf eine Weise vor, die man nur als arrogant bezeichnen konnte. Seine Augen ähnelten Rasquars, nur, dass statt der goldgelben Färbung ein tiefes, dunkles Grün rund um die schwarzen Pupillen vorherrschte. Sein dunkles Haar war zu einem Zopf zusammengebunden, der ihm bis weit über die Schultern fiel. Er trat zwischen den Wächtern hindurch und stand nun direkt vor ihr. Um ihm in die Augen zu sehen, musste Jenna den Kopf in den Nacken legen. Das war nicht sehr bequem, aber sie weigerte sich, zurückzuweichen. Sie hatte nicht eine ewig lange Reise auf einen unbekannten Planeten zu einem fremden Mann in Kauf genommen, nur um jetzt von einem arroganten Diener wieder nach Hause geschickt zu werden. Mit klopfendem Herzen machte sie einen halben Schritt auf den Riesen zu, bis ihre Körper einander beinahe berührten. „Ich bin Jenna Black, und ich verlange, umgehend zu deinem Herrn geführt zu werden. Du riskierst seinen Zorn, wenn du mich nicht auf der Stelle hineinlässt und zu ihm führst.“

 

Hinter ihr atmete jemand zischend aus. Als sie sich umwandte, sah sie, dass der Mann, der sie bei Rasquar Dah’riss abliefern sollte, nun flach auf dem Boden lag und seine Nase auf die hellen Pflastersteine drückte. Er zitterte am ganzen Körper wie Espenlaub. Erst als sie sich wieder dem Alienmann mit den grünen Augen zuwandte, sah sie, was seine Haltung ausgelöst hatte. Die Wächterkreaturen hatten ihre Schwerter gezogen und ragten nun drohend neben ihm auf. Mit einer beiläufigen Geste schickte er sie wieder an ihren Platz. Als er sprach, war seine Stimme tief und so grollend, dass sie eine Gänsehaut über Jennas ganzen Körper sandte. „Ich soll eine Menschenfrau bestellt haben?“

 

„Nicht du“, schüttelte Jenna den Kopf. „Rasquar Dah’riss hat mich…“, sie zögerte. Gekauft klang so herabsetzend, und sie wollte nicht gleich an ihrem ersten Tag in der neuen Heimat den Status einer gekauften Frau für sich in Anspruch nehmen. „Er hat mich angefordert“, beendete sie ihren Satz und presste die Lippen zusammen.

 

„Das erklärt einiges“, erwiderte der turmhoch über ihr aufragende Riese sanft. Doch diese Sanftheit hatte nichts mit Freundlichkeit zu tun. Sie war so trügerisch wie eine dünne Eisschicht auf einem See und konnte jederzeit brechen. „Ich bin Raell Dah’riss.“

 

„Sehr erfreut“, gab Jenna automatisch zurück. Er war also ein Verwandter ihres zukünftigen Mannes. Bestimmt war er sein Bruder. Das würde erklären, warum er ihr gleich so bekannt vorgekommen war. Jetzt, wo sie genauer hinschaute, erkannte sie die Gesichtsform. Der stolze Schwung der Nase, die hohen Wangenknochen und der energisch wirkende Kiefer waren die gleichen. Doch der Mann ignorierte ihre höflich ausgestreckte Hand und wandte sich an ihren Begleiter, der immer noch platt auf dem Boden lag.

 

„Bring sie dorthin zurück, wo sie hergekommen ist. Mein Bruder ist tot. Und ich habe keine Verwendung für so etwas.“

 

„Auf gar keinen Fall“, mischte sich Jenna ein, bevor der Mann hinter ihr auch nur die Augen aus dem Staub heben konnte. „Das ist leider nicht möglich.“

„Alles ist möglich, wenn ich es sage“, war die lakonische Erwiderung. Er drehte sich auf dem Absatz um und wandte ihr den breiten Rücken zu.

„Aber ich kann nicht zurück“, sagte sie und hasste den flehenden Tonfall, der sich in ihre Stimme schlich. „Gibt es keine Möglichkeit, dass ich hierbleiben kann? Ich könnte…“

 

„Was könntest du?“, unterbrach Raell sie rüde, indem er sich umdrehte. „Mein Bett wärmen?“ Er lachte. „Der Tag, an dem ich mir eine Frau kaufen muss, um nicht allein zu sein, wird niemals kommen, Frau.“

 

„Jenna. Mein Name ist Jenna.“

 

„Wie auch immer. Es spielt keine Rolle.“ Lässig stand er da, mit leicht gespreizten Beinen, die Daumen im Hosenbund verhakt.

 

„Ich könnte putzen. Kochen. Deine Wäsche waschen. Bitte“, flehte sie und spürte, wie sich die Tränen in ihren Augen sammelten. Er mochte zwar aussehen wie ein Kriegergott, aber Bescheidenheit stand nicht auf seiner Haben-Liste. Verzweifelt zermarterte Jenna sich den Kopf, was sein schwacher Punkt war. Seine Arroganz war mit Händen greifbar, aber nichts, wo sie ansetzen konnte. Sein Stolz vielleicht? Es war einen Versuch wert. „Dein Bruder mag vielleicht tot sein, aber er hat mir die Ehe versprochen. Du wirst doch nicht die Frau deines Bruders wie eine Bittstellerin behandeln?“ Sie straffte die Schultern. „Ich verlange, dass du dich an seiner Stelle um mich kümmerst, bis wir eine Lösung gefunden haben.“

 

Ein unheilvolles Funkeln blitze in seinen Augen auf. Um die schwarze Pupille erschien ein lodernder Ring aus flüssigem Feuer. Jenna spürte, wie die Angst ihr in die Glieder kroch, aber sie weigerte sich aufzugeben. Eine Rückkehr auf die Erde bedeutete mit Sicherheit den Tod für ihre Familie. Sie musste zumindest so lange bleiben, bis der widerliche Typ, der sie abliefern sollte, davon überzeugt war, dass sie ihren Teil des Vertrags erfüllte. Raell murmelte etwas vor sich hin, dass sie nicht verstand, was aber durchaus als ein unterdrückter Fluch erkennbar war.

 

„Willkommen in deinem neuen Zuhause, Frau.“

 

 

 

***

 

Ende der Leseprobe

 

AUCH ALS HÖRBUCH

AUF AUDIBLE

Spieldauer: 5 Std. 16 Min.

Gesprochen von: Daisy LaFleur