Ar'Van - Die Bestie

AR'VAN - DIE BESTIE

SciFi Liebesroman, Länge: ca. 230 Seiten

Sein Name ist Ar’Van.

 

Er ist der beste Jäger, den man für Geld kaufen kann.

 

Er ist der Letzte seiner Art.

 

Als ihn ein neuer Auftrag auf die Erde führt, erwartet er nur wenig Widerstand. Die Frauen, die er dem Warlord der Qua’Hathri liefern soll, sind eine einfache Beute. Die Männer, die sie beschützen, überlistet er mit links. Doch jeder Plan kann schiefgehen.

 

Nicht, weil er nachlässig ist. Sondern weil er nicht erwartet hat, dass sich sein schlimmster Feind und bester Freund zu einer von ihnen hingezogen fühlt. In seinem Inneren lebt eine mächtige Bestie, die er bis heute im Zaum halten konnte.

 

Doch in der Gegenwart der menschlichen Frau kommt seine dunkle Seite zum Vorschein. Das Monster will sie besitzen, genau so wie er. Und als in der Enge seines Raumschiffs ein Mörder sein blutiges Werk beginnt, bleibt ihm nur eine Wahl: Er muss sie beschützen.

 

Um jeden Preis.

 

Selbst wenn es bedeutet, dass er die Bestie in sich ans Licht lässt.

 

 

"Spannend bis zum Schluss."

 

"Klasse Story mit überraschenden Elementen. Konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Spannung, Erotik und Romance wunderbar miteinander verknüpft.."

 

"Schöne Weltraum-Lovestory"

 

"...man bekommt bei jedem Buch Lust auf mehr und jedes Buch setzt noch einen drauf und es geht immer noch besser ;)"

 

"Wie immer ein Knüller...."

 

"Der Einfallsreichtum und der tolle Schreibstil von Jenny Foster zeichnen ihre Bücher aus! Wer zudem noch Erotik und Spannung liebt, ist mit diesem Buch genau richtig."

 

"Wieder einmal schafft es die Autorin mich zu begeistern..."

 

 

Amazon Bewerter

Leseprobe:

 

Es brauchte nur eine Geste, um das raue Jubeln aus den Kehlen seiner Männer zu einem erwartungsvollen Grollen zu dämpfen. Der Blick des Commanders glitt über die zwanzig ausgesuchten Männer, die ihn auf seinem Raubzug begleiteten, und beendete die Versammlung. Ihr Ziel war beinahe schon in Sichtweite und nun hieß es aufpassen, dass ihr Raumschiff sich so elegant und wie ein Schatten unter den terrestrischen Schutzschirmen hindurchbewegte. Mit einer Armbewegung sandte Ar’Van seine Mannschaft aus dem Raum. Jeder einzelne von ihnen bewegte sich umgehend an den Platz, an dem er sein Bestes und mehr leistete.

 

Er lächelte, als er an die arglosen Bewohner des Blauen Planeten dachte. Sie würden in den nächsten Stunden das Wertvollste verlieren, das ihnen geblieben war: fruchtbare Frauen. Es war seine Aufgabe, sicherzustellen, dass die Qua’Hathri eine repräsentable Auswahl an fortpflanzungsfähigen weiblichen Menschen bekamen. Sie bezahlten ihn mehr als gut dafür, sich ein paar Exemplare der Spezies zu schnappen, damit die Wissenschaftler der Qua’Hathri sie auf ihre genetische Tauglichkeit überprüfen konnten. Bevor der Warlord der kriegerischen Qua’Hathri den arglosen Erdlingen ein Tauschgeschäft vorschlug, wollte er sicher sein, dass ihre Frauen sich mit ihnen erfolgreich fortpflanzten. Die Menschen würden bei diesem Tauschgeschäft den Kürzeren ziehen, aber das interessierte Ar’Van nicht. Seine Aufgabe war nicht, faire Vertragsbedingungen für die Erdlinge auszuhandeln. Rein, die Beute greifen, raus – das war ein Konzept, mit dem er bis heute gut gefahren war, egal ob es sich um Frauen, Artefakte oder anderen Kram handelte, nach dem es seine Auftraggeber gelüstete. Im Falle der Qua’Hathri waren es fruchtbare Frauen, die der Warlord benötigte. Khazaar, dieser schlaue Bastard, und seine Männer stünden bei ihrem Deal mit den Menschen auch noch als die strahlenden Helden da, die den Sieg der geplagten Erdbewohner gegen die Sethari sicherten.

 

Er selbst und damit auch seine Männer wären um etliche Spacedollars reicher und würden sich den nächsten Auftrag in aller Ruhe aussuchen.

Ar’Vans Lächeln vertiefte sich, als ein dreidimensionales Bild der Erde auf seinem Monitor auftauchte. Es war kein gütiges Lächeln, aber der Commander war auch nicht für seine Güte oder sein Mitgefühl bekannt – das wusste jeder, der es in sein Team aus handverlesenen Kämpfern geschafft hatte. Er war nicht nur einer der besten Beutegreifer, die man sich für Geld leisten konnte, sondern schlicht und einfach der Beste. Das hatte nichts mit Selbstüberschätzung zu tun, sondern vielmehr mit der makellosen Erfolgsquote von 100 %. Wer Ar’Van anheuerte, um ein wie auch immer geartetes Objekt zu bekommen, der zahlte viel und bekam immer, was er sich wünschte.

Die Erde war für Ar’Van ein neues Jagdrevier, auch wenn er noch nicht oft dort unten gewesen war. Er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Das Jagdfieber sang in seinen Adern, und sobald er festen Boden betrat, würde er die Spur aufnehmen und nicht eher an Bord zurückkehren, bis er die anvisierten Objekte sicher auf seinem Schiff wusste. Die Recherche seines Bibliothekars hatte ihn mit der zündenden Idee versorgt. Sein Beutezug war nicht zu kompliziert, und die Tarnung als Arzt war perfekt. Statt sich fortpflanzungsfähige Frauen mühsam herauszusuchen, kamen sie zu ihm. Die Falle schnappte zu. Auftrag erledigt.

 

Er zweifelte nicht daran, dass er und sein Team die Jagd nach fruchtbaren Menschenfrauen rasch und effizient erledigten.

 

****

 

Mein Armband piepste. »Mia Bishop wird am Ausgang von Sektion B2 erwartet«, las ich auf dem Kommunikator. Die leuchtend roten und blinkenden Buchstaben signalisierten mir, dass ich meine Arbeit sofort stehen und liegen lassen sollte, um mich in der genannten Sektion einzufinden. Es war schon wieder Zeit für meinen monatlichen Fruchtbarkeitstest. Noch während ich meine Utensilien beiseite räumte, begann das Ding zu vibrieren. »Jaja, ich komme schon«, murmelte ich verdrossen. Die Menschen, die für die interne Kommunikation und das Weiterleiten von Nachrichten zuständig waren, hatten gut lachen. Die saßen in ihren Büros und taten den lieben langen Tag nichts anderes, als Botschaften und Befehle hin und herzuschicken und darauf zu achten, dass sie umgehend ausgeführt wurden. In meinen aufsässigeren Momenten fragte ich mich, ob diese Menschen wie ich per Armband Anweisungen erhielten und wer sie überwachte.

 

Ich versteckte das Buch, in dem ich seit gestern gelesen hatte, unter einem Stapel Zeitungen. Dann machte ich mich auf den Weg, bevor die Überwacher auf den Gedanken kamen, mich holen zu lassen. Das war nicht nur peinlich, weil die Wachen mich an meinen Kolleginnen vorbeischleppten. Alles, was mit der monatlichen Eizellenspende zusammenhing, unterlag einer umgehenden Gehorsamspflicht. Trödeln wurde auch mit Lohnkürzung bestraft. Was verständlich war, bedachte man den Wert der Eizellen in unserer Gesellschaft. Normalerweise erfüllte ich meine Bürgerpflicht gerne, nur nicht heute. Vielleicht hatte ich Glück, und heute war keiner meiner fruchtbaren Tage. Die Prozedur der Eizellenentnahme war nicht schmerzhaft, aber heute erschien sie mir lästig.

 

Schuld daran trug das verflixte Buch, das mir gestern beim Schreddern in die Hände gefallen war. Nur durch Zufall hatte ich eine Seite überflogen – und war prompt gegen meinen Willen hängengeblieben. Die antiquierte Sprache hatte mich amüsiert, aber je mehr Seiten ich las, desto faszinierter war ich von dem alten Schinken. Hatte es tatsächlich Menschen gegeben, die einander auf so komplizierte Weise umwarben, statt ihr genetisches Profil zu vergleichen? Ich war nicht sicher, warum ich dieses ganze Hin und Her zwischen Mann und Frau so faszinierend fand. Fakt war, dass ich eifrig (und verbotenerweise) in dem Buch las, während ich mit der Linken mechanisch Zeitungen schredderte. Selbst bevor die Sethari über uns hergefallen waren, hatte es dieses umständliche Werben nicht mehr gegeben. Mehr als einmal las ich ganze Absätze zweimal, um zu begreifen, was der Mann und die Frau in Wahrheit voneinander wollten. Das Ganze erschien mir barbarisch und äußerst primitiv – und doch hatte ich nicht aufhören können, Seite um Seite umzublättern. Ich hatte nicht gewagt, es hinauszuschmuggeln und in meinem kleinen Wohnwürfel weiter zu lesen, und trotzdem hatte es mich den größten Teil der Nacht vom Schlafen abgehalten. Zum einen, weil ich wissen wollte, wie es weiterging mit den beiden, und nicht aufhören konnte zu spekulieren. Zum anderen, weil der Mann sich seinen Weg in meine Träume bahnte und ich mich an Stelle der Heldin wiederfand.

 

Normalerweise träumte ich nicht, was dieses nächtliche Erlebnis umso verstörender machte. Was mir jedoch beim Weckruf die meisten Sorgen bereitet hatte, war die Intensität, mit der ich jede Geste, jede Berührung erlebte. Im Buch wurde der dreiste Strauchdieb, der einer Gräfin einen Kuss raubte und ganz nebenbei das Herz brach, als schneidig beschrieben. Ich hatte nur eine ungefähre Ahnung davon, was dieses Wort bedeutete, also hatte mein schlafendes Gehirn aus ihm buchstäblich den Mann meiner Träume gemacht. Er war hochgewachsen, muskulös und hatte die leuchtendsten graugrünen Augen, die man sich vorstellen kann. Ich erinnerte mich genau, wie sie sich in meine gebohrt hatten, bevor er sich daran machte, mein Hemd aufzuknöpfen. Im Traum erstickte er meine anfänglichen Proteste mit einer Zunge, die nur von seinen flinken Fingern an Geschick übertroffen wurde. Seine kühlen Hände hatten sich in die erstbeste Lücke geschoben, die sich im Stoff auftat, und setzten seinen Angriff fort. Ich glaubte zu fühlen, wie sich seine Rechte sanft um meine Brust legte, bevor er sich ganz auf die harte Spitze konzentrierte. Seine Zunge in meinem Mund fand ihren eigenen, schnellen Rhythmus, der von Daumen und Zeigefinger aufgenommen wurde. Immer wieder presste er meine steif aufragende Knospe zwischen seinen Fingern, wurde schneller, verlangsamte sein Tempo und zog es wieder an. Ich fühlte seine Erregung an meinem Schenkel, und die Härte brachte mich beinahe ebenso um den Verstand, wie seine Berührung.

 

Selbst schlafend wusste ich, dass dieser Mann eine Ausgeburt meiner kranken Fantasie war. Etwas wie ihn gab es nicht in der Realität, und das, was ich empfand, als seine kühle Haut meine berührte, war unanständig. Es war zu viel in seiner Intensität. Überall dort, wo sein Körper meinen berührte, brannte meine Haut. Ich hörte mich im Traum stöhnen, und es war mit Sicherheit kein Laut der Angst, der über meine Lippen kam.

Sicher, auch in unseren harten Zeiten gab es Männer und Frauen, die sich auf natürlichem Wege paarten, so hieß es zumindest. Aber das galt nur für die untersten Klassen, die nicht viel besser als Tiere waren. Gesteuert von den niedrigsten Instinkten, vereinten sie sich um der Lust willen – nicht, um ein Kind zu zeugen und damit ihren Teil zur Gesundung unserer Gesellschaft beizutragen. Alle anderen, normalen Menschen verließen sich bei der Partnersuche auf die genetischen Profile. Das war sicherer. Und besser für unser Land.

 

Der Weckruf war meine Rettung. Bevor ich mich noch mehr in meinen zuckenden Gliedern verlor, war es an der Zeit, aufzustehen.

Ich hoffte sehr, dass der Test heute negativ verlief und ich gleich wieder zurück an meinen Arbeitsplatz gehen konnte. Der Traum hing mir immer noch nach, wie eine Stelle am Rücken, die juckte und die man selbst nicht mit den Händen erreichte. Je öfter ich an die eigenartigen Empfindungen dachte, die meinen Körper vom Kopf bis zu den Zehenspitzen erfüllten, desto unruhiger wurde ich. Immer wieder sah ich zu dem verbotenen Buch herüber, das etwas in mir geweckt hatte, das ich nicht ganz verstand. Ich wagte weder, weiter zu lesen noch es der endgültigen Zerstörung zuzuführen. Beim Gedanken daran, es anzufassen und noch eine Seite, eine einzige Seite nur, zu lesen, rutschte mir das Herz in die Kniekehlen. Erst als ich zum Ausgang bestellt wurde, um den Stand meiner Fruchtbarkeit überprüfen zu lassen, wurde mir bewusst, dass ich es unmöglich in fremde Hände fallen lassen wollte. Also versteckte ich es, so gut es irgend ging.

 

Ich bahnte mir den Weg durch die Abteilungen des Bibliotheksgebäudes in Richtung Exit und winkte meinen Kolleginnen zu, die kaum den Kopf von ihrer Tätigkeit hoben. Bereits seit einer Woche schredderten wir Bücher und Zeitschriften, die unnützes Wissen enthielten, und ein Ende war nicht in Sicht. Papier war ein wertvoller Rohstoff, der in den Kreislauf der Wiederverwertung kam, sobald die mechanischen Fluggeräte die vollen Behälter mit den Papierschnipseln abgeholt hatten. Ich wich einer der Drohnen aus, die mit kaum hörbarem Surren durch den Gang flogen, und wendete den Kopf, um ihrem Kameraauge auszuweichen. Ich hasste es, wenn sie mich mit ihren Insektenaugen anstarrten. Jaja, ich wusste, dass sie leblose Werkzeuge waren, aber allein die Vorstellung, von ihnen erfasst und abgescannt zu werden, jagte mir eine Gänsehaut über den Rücken.

Wie alle Menschen, die dem hundertjährigen Krieg mit den Sethari noch nicht zum Opfer gefallen waren, trug ich meinen Teil zum Überleben der menschlichen Rasse bei. Ich hatte so viel bekommen: Ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen, und ich hatte eine Arbeit, die ein gewisses Maß an Verantwortung mit sich brachte. Nicht jeder durfte in der Bibliothek arbeiten, wo sich brisante Informationen verbergen konnten. Warum also sollte ich nicht das zurückgeben, was ich entbehren konnte? Mir war bewusst, dass ich riesiges Glück hatte. Die Arbeit in einem der Außentrupps war zwar höher angesehen, aber auch gefährlicher. Die Männer und Frauen im Außeneinsatz verteidigten unsere Stadt gegen Renegaten und Mutanten. Ich fand zwar nicht, dass mein Beitrag weniger wert war. Und auch nicht weniger gefährlich, wie ich am Beispiel dieser merkwürdigen Liebesgeschichte gesehen hatte. Aber ich fand, ich war reif genug, um mir selbst ein Bild davon machen zu dürfen, wie man vor hundert oder mehr Jahren gelebt hatte. Ich war jetzt 24 Jahre alt, meine fruchtbare Phase näherte sich dem Ende, und wann, wenn nicht jetzt, sollte ich weise genug sein?

 

Ich dachte an die Träume, die das Buch ausgelöst hatte. Ich war sicher gewesen, mit einem Roman voller fast hysterischer Emotionen umgehen zu können. Vielleicht, gestand ich mir mit einem Seufzer ein, war ich doch noch nicht so weit. Es hatte schon seinen Grund, warum es Frauen erst am Ende ihrer fruchtbaren Phase erlaubt wurde, mit einem Partner zusammenzuleben.

 

Geistesabwesend warf ich einen Blick nach oben. Der Anblick der Glaskuppel in der Eingangshalle war so schön, dass ich vom ersten Tag an getrödelt hatte, nur um durch sie den Himmel anzuschauen. Ich war in der Stadt aufgewachsen, und der Blick auf die blaue Weite über mir löste normalerweise eine leichte Beklemmung in mir aus. Doch durch die Kuppel betrachtet, liebte ich den grenzenlosen Himmel. Ich hätte stundenlang stehen und den Zug der Wolken beobachten können.

 

Die Bibliothek war ein prachtvolles Gebäude, das den Krieg bislang unversehrt überstanden hatte. Vielleicht hatten die Sethari kein Interesse an Büchern. So wie die Menschen mit dem reinen Überleben beschäftigt waren, konzentrierten die verhassten Eroberer sich auf die gnadenlose Unterwerfung der Erdenbewohner. Eine Sammlung von bedrucktem Papier war in ihren Augen wahrscheinlich ebenso nutzlos wie Musik, Filme oder andere Arten der Unterhaltung. Ein Sethari kannte nur ein Ziel: sich zu ernähren. Sie waren eine Rasse, die sich von der Energie anderer Lebewesen ernährte und zogen auf der Suche nach Nahrung eine Spur der Verwüstung nach sich. Sobald die Ressourcen eines Planeten erschöpft waren, reisten sie fett und wohlgenährt weiter. Dabei kümmerte es sie nicht, ob ihre Vorräte, in welcher Lebensform auch immer, nur kurz vorhielten. Ich hatte mich schon oft gefragt, wie die Sethari, die nicht weit voraus planten, es überhaupt schafften, zu überleben. Aber ganz offensichtlich war ihre Taktik erfolgreich, denn sie lebten auf der Erde dank ihrer überlegenen Waffen und ihrer fortschrittlichen Technik seit drei Generationen wie die Maden im Speck. Vor zwölf Jahren hatten sie sogar einen Virus freigesetzt, der binnen kürzester Zeit die Mehrheit der Frauen unfruchtbar zurückließ. Nur unseren Wissenschaftlern und einer straffen Organisation der Behörden war es zu verdanken, dass die Geburtenrate langsam wieder anstieg. Und Frauen wie mir, die monatlich ihre Eizellen spendeten, damit eine neue Generation Menschen heranwachsen und die Sethari bekämpfen konnte.

 

Das verhaltene Licht, das durch die dichten Wolken drang, ließ die Kuppel für einen Moment golden glänzen. Ich blieb stehen und sah nach oben in den Himmel. Er war so unendlich weit entfernt, und doch so nah, als müsste ich nur die Hand danach ausstrecken, um das dumpfe Graublau zu berühren. Eine unerklärliche Sehnsucht nach etwas anderem, nach mehr, presste mein Herz zusammen.

 

Ein drohendes Prickeln an meinem Handgelenk lenkte meine Gedanken zurück in die Realität. Es war die letzte Warnung, bevor sie mich holen kamen. Ein letzter Blick hinauf zur Kuppel, und schon hatte ich den Ausgang erreicht.

 

Ich trat durch die breite Tür hinaus. Zwei schwer bewaffnete Wachen nickten mir zu. Selbst Arbeiterinnen wie uns schützte man vor den Angriffen durch wilde Bestien und die Renegaten, die sich am Rande der Städte sammelten und gelegentlich Blitzangriffe durchführten, um Nahrungsmittel und wertvolle Rohstoffe zu erbeuten. Ich fragte mich zwar, was die Rebellen mit Papierschnipseln anstellen wollten, war aber trotzdem dankbar für den Schutz, den die Wachen uns Frauen boten. Nach dem Freisetzen des hinterhältigen Virus waren nicht nur die meisten Frauen unfruchtbar geworden, es waren auch grauenhafte Mutationen entstanden, von denen niemand wusste, ob sie einmal Mensch oder Tier gewesen waren.

 

Der Transporter wartete bereits. Ich kannte die Prozedur und ging ohne Zögern auf den kleinen Flieger zu. Wie erwartet öffnete sich die Tür noch nicht, um mich hereinzulassen. Ich hielt zunächst mein Armband an den Scanner, und erst als das schrille Piepsen ertönte, streckte ich meinen Finger in die dafür vorgesehene Öffnung. Es war nur ein kurzes Piksen, mit dem der Hormonspiegel in meinem Blut getestet wurde. Ein gelbes Licht signalisierte mir, dass meine Eizellen erst in 24 Stunden bereit waren, entnommen zu werden. Ein grünes Licht bedeutete, dass meine Eizellen bereit zur Entnahme waren. In diesem Fall würde ich in den Transporter steigen und mit den anderen Frauen direkt in die Sektion M7 fahren, wo die Mediziner ihren Sitz hatten. Es war das rote Licht, das ich am meisten fürchtete. Es bedeutete, dass meine Eizellen fast bereit waren und nur ein wenig Stimulation brauchten, um zur vollkommenen Reife zu gelangen. Frauen, die das rote Licht sahen, wurden direkt in den U-Sektor gebracht. Dort setzte man die Frauen so lange sexuellen Reizen aus, bis ihr Körper wie von den Medizinern gewünscht reagierte und die wertvolle Eizelle zur Reifung brachte. Das Zeitfenster, so hatte man mir in der reproduktionsmedizinischen Abteilung einmal erklärt, in dem das Ovum die besten Voraussetzungen zur künstlichen Befruchtung bot, umfasste nur eine Stunde. Je schneller die Eizelle entnommen wurde, desto besser.

 

Ob Glück oder Schicksal, ich war der demütigenden Behandlung bisher entkommen. Doch heute, wo immer noch das schlechte Gewissen sich mit der körperlichen Unruhe vermischte, die der Traum mir hinterlassen hatte, erfüllte mich eine mehr als bange Vorahnung.

 

Ich starrte gebannt auf das Lämpchen. Meine Kehle wurde trocken, und in meinem Universum existierten in diesem Moment nur die Lampe und ich. Ich schloss die Augen und malte mir das gelbe Licht aus, das mir einen Aufschub von 24 Stunden brachte, in dem ich mit meinen aufgewühlten Gedanken allein sein konnte. Morgen könnte ich alles ertragen, dessen war ich mir fast sicher. Aber heute brauchte ich eine Atempause, um wieder ganz ich selbst zu werden, die ... das piepsende Geräusch, das mein Ergebnis ankündigte, riss mich aus meinem stummen Flehen. Mit zitternden Knien und einem Puls, den ich in meiner Halsbeuge spürte, zwang ich mich, die Augen zu öffnen.

 

Die rote Lampe blinkte.

 

Die Türen blieben verschlossen, der Transporter erhob sich und ließ mich vor der alten Bibliothek zurück. Kurz überlegte ich, ob ich nicht einfach an meinen Arbeitsplatz zurückgehen konnte. Wenn ich so tat, als wäre nichts geschehen, wenn ich mich hinter dem Schredder verkroch und brav meiner Aufgabe nachging, würde irgendjemand Nachsicht zeigen.

 

Doch es war bereits zu spät. Der reguläre Flieger zur Klinik hatte kaum abgehoben, als ein anderes, wesentlich kleineres Flugschiff vor mir zum Stillstand kam. Die Türen öffneten sich. Wo sonst zwei Bewaffnete den Transport bewachten, erwarteten mich nun vier Männer. Sie trugen die gleichen Rüstungen, hatten identische Waffen und wirkten doch eher wie Wärter auf mich. An Flucht war nicht zu denken. Ich straffte die Schultern und stieg ein. Je schneller ich diese Prozedur hinter mich brachte, desto besser. Mit ein bisschen Glück war ich in drei Stunden wieder zuhause.

Leider hatte das Glück beschlossen, meine Existenz zu ignorieren, und zwar für sehr lange Zeit.

 

 

Ende der Leseprobe