Alien - Menschenfrau

Alien - Menschenfrau

Betania Breed III

Science Fiction Liebesroman (18+), Länge: ca. 220 Seiten

Ich bin Talon Delkhari.

 

Ich war der oberste Warlord meines Volkes, bis ich es wagte, meinem König zu widersprechen. Statt mir einen ehrenvollen Tod im Kampf gegen unsere Feinde zu gewähren, hat er mich zu seinem Kammerherrn gemacht. Meine Aufgabe ist es, mich um die Sicherheit seiner Frauen zu kümmern.

 

Seine neueste Erwerbung kommt von der Erde. Er hat sie beim Pokern gewonnen, und ich soll sie sicher in sein Bett bringen. Eine einfache Aufgabe für jemanden wie mich. Das dachte ich zumindest. Bis die Menschenfrau das Raubtier weckt, das unter meiner Haut lauert und sie für sich beansprucht.

 

Sie ist anders als alle Frauen, die ich kenne. Sie sieht das Tier in mir. Sie sieht mich ohne Angst an. Ihr Duft verfolgt mich bis in meine Träume, und obwohl ich weiß, dass sie niemals mir gehören darf, kann ich die Augen nicht von ihr wenden.

Doch meine Loyalität gegenüber meinem Volk und mein Pflichtbewusstsein sind stärker als das Biest, das unter meiner Haut nach ihr verlangt...

 

 

Dies ist der dritte Band der Betania Breed-Reihe.

 

Mit »Alien - Menschenfrau« werden Sie das dritte Buch der Betania Breed-Reihe in Händen halten. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies Ihr erstes Buch aus dieser Reihe ist oder bereits Ihr drittes. Alle Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden, ohne dass Sie etwas Wichtiges verpassen.

Zusammengehalten werden die Einzelbände durch das Thema des Gedankenlesens, und in jedem Buch geht es um ein neues Liebespaar und dessen Schwierigkeiten, zueinanderzufinden.

Ich glaube allerdings, dass es Ihr Lesevergnügen steigert, wenn Sie mit »Alien - die Gefangene« beginnen und auch »Alien - der Cyborg« gelesen haben. Wie auch immer Ihre Entscheidung ausfällt, ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.

 

"...jedesmal, wenn man denkt, jetzt aber, kommt es wieder anders."

 

"An dieser Serie gefällt mir auch besonders, dass jedes Buch abgeschlossen ist. Oftmals fange

ich eine Serie erst gar nicht an weil es manchmal monatelang dauert bis der nächste Teil anfängt."

 

"Spannend bis zum Schluss."

 

"Obwohl die Protagonisten sich nicht andauernd in den Betten rumtreiben,

zieht sich diese erotische Energie durchs ganze Buch. Das ist das,

was ein gute Geschichte für mich ausmacht."

 

"Einfach nur "WoW"

 

"Die Spanungsbogen sind wunderbar austariert. Die Charaktere der jeweiligen Personen entwickeln sich kontinuierlich. Es ist ein Buch mit Liebe, Sex und noch viel mehr."

 

Amazon Bewerter

Leseprobe:

 

Talon Delkhari sah sich ein letztes Mal die Papiere an und versuchte herauszulesen, welche Art Frau er in wenigen Minuten auf der Erde abholen würde. Die Poker Games Limited, kurz auch PGL genannt, versprach großspurig Spannung bis zum letzten Augenblick – und verweigerte ihren Teilnehmern jedes Bild der verlosten weiblichen Spezies. Bis auf ein Gesundheitszeugnis, eine Altersangabe und die genaue Kennzeichnung der Rasse erfuhr die zahlende Klientel – also die Herren der Schöpfung – nichts. Und genau das, dachte Talon und überprüfte geistesabwesend den Sitz seiner Uniform, war der Kitzel, der Reiz des ganzen gewagten Unternehmens. Nichts für einen kampferprobten Krieger wie ihn, der sich von einer Gefährtin, wenn er sie denn jemals finden sollte, vor allem Verlässlichkeit und gesunde Nachkommen wünschte. Er verfluchte im Stillen seinen König, der ihn mit der Aufgabe betraut hatte, die neue Braut abzuholen und sicher auf Kanthari 7 abzuliefern. Es war nicht nur erniedrigend für einen Mann seines Formats, sich um den Transport einer in einer interstellaren Pokerrunde gewonnenen Frau zu kümmern, es kostete ihn auch Zeit, die er lieber mit etwas Sinnvollem verbracht hätte. Wie zum Beispiel der Jagd auf die Weltraum-Piraten, die immer dreister wurden und nun nicht einmal vor einem Schiff der Kantharener haltmachten.

Er hätte einfach den Mund halten sollen. Dann wäre er jetzt nicht hier und müsste eine Erdenfrau abholen, sondern könnte seine Männer drillen, kämpfen oder eine neue Strategie im Kampf gegen die Freibeuter ausprobieren. Aber als sein König ihn gebeten hatte, seine, des Königs Taktik beim letzten Feldzug zu analysieren, hatte Talon kein Blatt vor den Mund genommen. Ferthoris III führte den Beinamen »der Weise« im Titel und war seiner selbstgewählten Namensergänzung nicht gerecht geworden. Wie ein blutiger Anfänger hatte er Fehler begangen, die hunderte seiner kampferprobten Männer das Leben gekostet hatten. Und das alles nur, um die Eitelkeit eines Mannes zu befriedigen, der von der hohen Kunst der Kriegsführung keinen blassen Schimmer hatte.

Als die Wogen nach dem Desaster sich ein wenig geglättet hatten, war der König an ihn, seinen erfahrensten Kämpfer, herangetreten und hatte in einem seltenen Anflug von Selbsterkenntnis um Verbesserungsvorschläge gebeten. Talon hätte wissen müssen, dass sein Herrscher nicht die allerleiseste Kritik an sich und seiner Glorie duldete, mochte sie auch noch so gerechtfertigt sein.

Talon konnte froh sein, dass der König ihn nicht geköpft hatte, wie es mit Sicherheit sein erster Impuls gewesen war. Stattdessen hatte Ferthoris zu einer subtileren Form der Bestrafung gegriffen. Sein Untergebener war vom bewährten Krieger im Generalsrang zum offiziellen Brautsammler ernannt worden. Die Erdenfrau war bereits das dritte weibliche Geschöpf, das er in ebenso vielen Jahren auf einem fremden Planeten abholte. Vielleicht wäre das Köpfen doch die bessere Alternative gewesen, dachte Talon. Der unersättliche Herrscher von Kanthari 7 hatte ihn zu seinem Haremswächter gemacht, und das schmeckte dem stolzen Soldaten so wenig, als hätte man ihn direkt seiner Männlichkeit beraubt. Vielleicht war es Zeit für einen Kampf um die Vormachtstellung. Wäre da nicht sein ungeheures Pflichtbewusstsein gewesen und seine Abneigung gegen die diplomatischen Pflichten, die mit der Stellung als König einhergingen, er hätte Ferthoris schon zwei mal herausgefordert. Einmal für jede Braut, die er ins Bett des Königs gelegt hatte.

Nun wartete die dritte Frau auf sein Erscheinen. Er biss die Zähne zusammen und stieß ein dumpfes Grollen aus. Ein Blick auf den Zeitmesser verriet ihm, dass sie gleich am verabredeten Ort eintreffen würde, immer vorausgesetzt, sie war pünktlich. Talon erhob sich und überprüfte die Aufladung seiner Laserpistole. Der Akku war voll, die Strahlenintensität auf mittlerer Stufe, die den Getroffenen lediglich für einen längeren Zeitraum außer Gefecht setzte, anstatt ihn zu töten. Menschen galten in seiner Sphäre als unberechenbar und emotional, was sicher auch ein Grund war, warum Ferthoris an dieser absurden Pokerrunde teilgenommen hatte. Seine Frauen waren allesamt zahme Geschöpfe, dienstbar und immer bereit, seinem Ego zu schmeicheln. Die Einzige, die ihm Widerstand geboten hatte, war mit jedem Widerwort um einen Tentakel kürzer gemacht worden. Talon schüttelte sich, halb wegen der sinnlosen Grausamkeit seines Königs, halb wegen dessen Neigung zu exotischen weiblichen Wesen. Für Ferthoris waren Weibchen das, was für ihn Narben waren: Trophäen und Auszeichnungen. Mit dem Unterschied, dass der König sich in seidenen Laken tummelte, während Talon sich auf dem Schlachtfeld auszeichnete. Er schüttelte den Kopf. Tentakel! Also wirklich. Ging es noch absurder? Als Kinder der Sonne und der Wüste hatten die Kantharener keinerlei Neigung, sich mit schleimigen Fischweibern einzulassen, zumindest im Normalfall.

Er sah noch einmal auf den Zeitmesser. Gleichzeitig summte sein interkommunikatives Dip, das ihn mit allen anderen Besatzungsmitgliedern verband. Das Gesicht seines ersten Offiziers erschien auf dem Armband, das er am Handgelenk trug.

»Sir, es wird Zeit«, quäkte die verzerrte Stimme aus den winzigen Lautsprechern. »Das Gleitschiff ist bereit zum Abflug.« Ein letztes Mal blickte Talon in den Spiegel. Als Repräsentant des Königs musste er makellos aussehen. Seine Uniform saß perfekt, und sein Gesicht verriet nichts vom Widerwillen, den er empfand. Es wäre nicht nur sinnlos, sondern auch höchst unklug, eine Frau zu verärgern, deren zukünftigen Einfluss auf Ferthoris er nicht abschätzen konnte.

 

****

Catherine Burke marschierte hoch erhobenen Hauptes auf das verlassene Gebäude am Stadtrand zu, das man ihr als Treffpunkt genannt hatte. Die Gesellschaft, die diese absurden Pokerrunden veranstaltete, machte ein Riesentheater um die Geheimhaltung, die sie bereits mit ihrer Unterschrift unter den Teilnahmeschein bestätigt hatte.

Cat hatte von dem Weiberpoker, wie ihr Kollege es genannt hatte, erfahren, und auch das nur, weil Martin eine verdammte Klatschbase war. Unter dem Siegel der strikten Geheimhaltung hatte er ihr von seiner Cousine erzählt, die teilgenommen und auf diese Art und Weise ihrer Familie eine jahrelange Haftstrafe erspart hatte. Die Betreiber zahlten großzügig für gesunde junge Frauen und lockten mit einer sicheren Existenz an der Seite eines Ehemannes. Cat hatte sich zwar gefragt, was das wohl für Typen waren, die eine Ehefrau im Glücksspiel gewannen, aber alles war besser, als weiterhin hier auf der Erde zu leben. Jeder Tag brachte Erinnerungen mit sich, die sie immer tiefer in den Abgrund des Selbsthasses zerrten, und jede Nacht brachte Albträume von Toten, die auf Rache aus waren. So ging es einfach nicht weiter, und statt sich in den stinkenden, verseuchten Fluss zu stürzen, war Cat die Flucht nach vorne angetreten. Die PGL war zunächst misstrauisch gewesen, als sie ihre Gabe erwähnt hatte, und bestand auf zahlreiche Tests. Als sie das Leuchten in den Augen des Doktors sah, der sie gründlich untersuchte, hatte sie gewusst, dass die anberaumte Wartezeit bis zur endgültigen Zusage nur pro forma war.

Sollte sie sich jemals entscheiden, zur Erde zurückzukehren, warteten auf ihrem Konto jede Menge Dollars auf sie, die sich in der Zwischenzeit fleißig vermehren würden. Als Waise und ohne lebende Geschwister hatte sie niemanden, dem sie mit dem Geld etwas Gutes tun konnte. Die wohltätigen Organisationen waren zu 99% getarnte Arme der Regierung, die mit den ihnen anvertrauten Summen Waffentechnologien, unsägliche Experimente an Mensch und Tier oder die kostspieligen Huren für Politiker beiderlei Geschlechts finanzierten. Sie hätte die stolze Summe ebenso gut verbrennen können und damit wahrscheinlich sogar weniger Schaden bewirkt als mit einer Spende.

Einen Augenblick lang glaubte sie, in dem dichten Schneetreiben eine Bewegung auszumachen, aber als sie stehenblieb, um genauer hinzusehen, war nichts zu erkennen. Das Gebäude, in dem sie ihren Zukünftigen treffen sollte, lag in lautloser Dunkelheit. Nun war sie bereits so nahe, dass sie die Schäden erkennen konnte, die der letzte Krieg hinterlassen hatte. Der verwitterte Schriftzug über dem von pompösen Säulen flankierten Eingang kennzeichnete das Gebäude als die Zentralbibliothek der Hauptstadt, die nun einsam und verlassen war. Niemand hatte sich in den chaotischen Jahren nach dem Zusammenbruch die Mühe gemacht, die Bibliothek zu plündern. Ressourcen wie Wasser und Nahrung waren wichtiger gewesen als Bücher, die von Abenteuern aus längst vergangenen Zeiten berichteten. Cat seufzte lautlos und sah sich suchend um, die alberne Geheimhaltungsklausel verfluchend. Sie fror. Sie war zu aufgeregt, um müde zu sein, aber der lange Marsch von der City bis hierher hatte sie erschöpft. Wäre das Geld nicht bereits auf einem sicheren Offshore Konto angekommen, sie hätte an einen von Martins gut gemeinten, aber stets übers Ziel hinausschießenden Scherzen geglaubt.

Die empfindliche Haut in ihrem Nacken prickelte, als ob jemand sie beobachtete. Es kostete sie alle Kraft, sich nicht umzudrehen und fortzulaufen, so schnell die Beine sie trugen. Unauffällig versuchte sie, in der unversehrten Fensterscheibe vor ihr etwas zu erkennen. Die graugelben, wirbelnden Flocken versperrten ihr die Sicht auf alles, was weiter als fünf Meter entfernt war, aber Cat glaubte, ein leises Grollen zu hören, wie von einem großen Tier. Ihr Herz klopfte zum Zerspringen. Die einzige Waffe, die sie bei sich trug, war in ihrem kniehohen Stiefel verborgen, und sobald sie sich nach vorne beugte oder in die Knie ging, wäre sie angreifbar. Sie holte einmal tief Luft und drehte sich herum. Wenn sie schon sterben sollte, dann aufrecht stehend.

Durch das dichte Schneetreiben kam es, was immer es auch war, auf sie zu. Das knirschende Geräusch von Füßen auf dem frisch gefallenen Schnee dröhnte in ihren Ohren. Der Schatten, der sich langsam auf sie zubewegte, war riesig. Dort, wo sie die Augen vermutete, schimmerte es gelblich. Schloss man von der Höhe der Augen auf den Rest des Körpers, dann war das Wesen, das Schritt für Schritt gemächlich näher kam, mindestens zwei Köpfe größer als sie selbst. Ihre Knie zitterten, und sie atmete hechelnd. Das Grollen ertönte erneut, viel näher diesmal, und ein leises – Schnüffeln?

Cat machte sich darauf gefasst, zu sterben. Sie stieß einen Schrei aus, und ihre Knie gaben nach. So viel zu einem würdevollen Tod, dachte sie noch und wappnete sich gegen den Schmerz.

Aus dem Schneetreiben schälte sich eine Gestalt. Cat hielt den Atem an. Erst als sie sein Gesicht sehen konnte, stieß sie die Luft mit einem zischenden Geräusch aus. Es war ein Mann, von fremdartigem Äußeren zwar, aber von humanoider Gestalt. Obwohl ihr Verstand oder das, was noch davon übrig war, ihr sagte, dass die Gefahr noch lange nicht vorbei war, flutete unendliche Erleichterung ihren Körper. Mit einem Wesen, das denken und fühlen konnte, würde sie fertig werden, auch wenn … sie schob den Gedanken beiseite. Dies musste der Mann sein, der sie beim Zocken gewonnen hatte, ihr Ticket in die Freiheit. Sie versuchte, sich an das Kennwort zu erinnern, das ihr die Pokergesellschaft gegeben hatte. »Löwenzahn?«, fragte sie den Mann, der nun etwa einen halben Meter vor ihr stand. Das Wort kam nur flüsternd heraus, weshalb sie sich einmal räusperte und noch einmal laut und bestimmt »Löwenzahn« sagte.

»Goldregen«, antwortete er ohne Zögern. Seine Stimme war angenehm tief und strahlte eine Gelassenheit aus, die sie dankbar zur Kenntnis nahm. Jetzt, wo sie ihn genauer erkennen konnte, wurde ihr bewusst, dass sie insgeheim eine abstoßende, entstellte oder sonst für ihr Empfinden grauenhafte Gestalt erwartet hatte. Das Universum wurde von einer Vielzahl an Gestalten bevölkert, und nicht alle hatten eine dem menschlichen Auge angenehme Form. Dieser Mann hier jedoch war zumindest äußerlich attraktiv. Sein kantiges Gesicht wurde durch die Narbe, die sich vom scharf geschnittenen Jochbogen bis zum Mundwinkel zog, seltsamerweise noch anziehender.

Cat bezähmte den Drang, sich ihrer Gabe zu bedienen. Nie wieder, hatte sie sich geschworen. Nicht nach all dem, was beim letzten Mal passiert war.

Erst als der Mann vor ihr fragend eine Augenbraue hob und in die Richtung deutete, aus der er gekommen war, merkte Cat, dass sie ihn viel zu lange angestarrt hatte.

Er schien eher ein wortkarger Typ zu sein. Das konnte ihr nur recht sein. Je weniger sie miteinander sprachen, desto weniger würde sie sich an ihn binden.

Sie stapfte durch den immer heftiger fallenden Schnee hinter ihm her. Dankbar nahm sie den Schutz in Anspruch, den sein breiter Rücken ihr bot, und nutzte die Gelegenheit, ihn genauer zu studieren. Die Art und Weise, wie ein Mann sich bewegte, verriet mehr über den Charakter als stundenlanger Smalltalk. Dieser hier bewegte sich trotz der enormen Muskelmasse, die er mit sich herumtrug, graziös und elegant wie ein Raubtier. Ein gefährliches Raubtier, wohlgemerkt, denn an seinen leisen Schritten war nichts Zögerliches. Ab und zu wandte er den Kopf um ein paar Millimeter und prüfte die Umgebung. Dabei fiel Cat auf, dass er sich nicht allein auf seine Augen verließ. Er blähte die Nüstern, sog die Luft ein. Wenn ihre Augen ihr keinen Streich spielten, bewegte er sogar seine spitz zulaufenden Ohren in verschiedene Richtungen!

Er mochte vielleicht zu 95% menschlich aussehen, aber sein Verhalten legte nahe, dass buchstäblich mehr in ihm steckte. Cat wurde bewusst, wie wenig sie von ihm wusste und wie gefährlich das Unternehmen war, auf das sie sich in ihrer Panik eingelassen hatte. Die interstellare Pokergesellschaft versprach zwar großmundig, dass alle Frauen einen »Ehemann nach offiziellem Ritus der jeweiligen Rasse« bekamen, aber wer würde das nachprüfen? Ihr Begleiter konnte sie in den hintersten Winkel des Universums verschleppen und dort auf dem Altar einer heidnischen Gottheit opfern, und niemand würde es jemals herausfinden.

Sie seufzte noch einmal, lauter diesmal.

Die spitzen Ohren zuckten. »Wir sind gleich da«, sagte er. Cat brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass dies seine Antwort auf ihr Seufzen war. »Das ist … gut«, gab sie zurück. Was hätte sie auch sonst sagen sollen? Ich habe es mir anders überlegt kam genauso wenig in Frage wie Sag mal, was genau hast du eigentlich mit mir vor?

Sie sah den Raumgleiter erst, als er einen Schritt zur Seite trat und seinen breiten Rücken aus ihrem Sichtfeld entfernte. Das Schiff war größer, als sie erwartet hatte, und wirkte wendig und gefährlich zugleich. Der blaue Schimmer, der den Gleiter umgab, betonte die schnittige Form. Wenn man so genau hinsah wie Cat, dann konnte man schmale Luken erkennen, hinter denen sich wahrscheinlich die ausfahrbaren Waffen verbargen. Der Eingang öffnete sich etwa einen halben Meter über dem Boden. Ohne viel Federlesens hob der Mann sie in seine Arme und sprang aus dem Stand hinauf ins Innere des Raumschiffes. Die Mühelosigkeit, mit der er sie an seiner Brust barg, beeindruckte Cat gegen ihren Willen – und jagte ihr gleichzeitig einen Angstschauder über den Körper. Um ihren Fluchtplan in die Tat umzusetzen würde es mehr brauchen als nur flinke Beine.

Vorsichtig, als könne sie bei der geringsten unbedachten Bewegung zerbrechen, setzte er sie auf dem Boden ab. Beinahe, aber wirklich nur beinahe, bedauerte Cat, dass sie die Wärme seines Körpers nicht mehr spürte, obgleich die Temperatur im Inneren des Schiffes schon recht hoch war. Die Luft war tatsächlich so warm, dass sie sich die wattierte Jacke vom Leib riss und den Pullover über den Kopf streifte. Erst dann fiel ihr Blick auf das Porträt eines Mannes, der seine ordengeschmückte Brust stolz dem Betrachter entgegenreckte. Er wirkte irgendwie geckenhaft und weibisch, vielleicht durch den Schmollmund, der zu einem arroganten Lächeln verzogen war.

Ihr Begleiter hatte unterdessen die Linke an seinen Mund gehoben und sprach in sein Armband. Modernste Kommunikationsmittel gab es hier also auch. Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zur Freiheit tat sich vor ihr auf. Er grollte etwas in einer Sprache, die sie nicht verstand und die verdächtig nach einem raubtierhaften Knurren klang. Um sich von der Furcht abzulenken, die sich in ihren Eingeweiden breitmachte, fragte sie ihn nach seinem Namen. »Ich weiß nicht einmal, wie du heißt«, sagte sie und konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme einen ängstlichen Klang annahm. »Ich bin Catherine Burke. Cat. Du kannst mich Cat nennen«, plapperte sie nervös.

Er sah von seiner beeindruckenden Höhe auf sie herab. Im hellen Licht wirkten seine Augen noch fremdartiger als zuvor in der Dunkelheit der kalten Nacht. Es war die Farbe, die das beunruhigende Starren verstärkte, eine Mischung, die irgendwo zwischen Bernstein und reinstem Gold changierte. Cat bemerkte, wie ihr Pulsschlag sich beschleunigte. Ihr Instinkt kreischte etwas von Flucht, aber es war nicht allein eine tiefsitzende Urangst vor einem fleischfressenden Raubtier, die ihr den Schweiß auf die Stirn trieb. Wenn sie nicht schnell genug fortkam, würde sie sich in diesen Augen verlieren.

Er räusperte sich. »Verzeih meine Unhöflichkeit«, sagte er und deutete eine leichte Verbeugung an, die sie fast auf Augenhöhe brachte. »Das Wetter auf deinem Planeten ist so unwirtlich, dass ich unseren Aufbruch nicht hinauszögern wollte.« Goldene Funken stoben in seinem Blick auf und verschwanden wieder. »Mein Name ist Talon Delkhari. Ich bin ein Krieger seiner Majestät Ferthoris III, der auch der Weise genannt wird.« Die letzten Worte kamen in einem gequetschten Tonfall heraus, und sie fragte sich, ob er sich auf dem kurzen Aufenthalt auf der Erde eine Erkältung zugezogen hatte. Doch noch bevor sie dazu kam, ihn zu fragen, wies er mit der Hand auf ein ausladendes Sofa, das an der Wand stand. Überhaupt war das Innere des Schiffes ausgesprochen luxuriös ausgestattet. Rund um eine kleine Bar waren bequem wirkende Sessel gruppiert, und auf dem Sofa hätten zwei Menschen schlafen können, ohne einander im Schlaf zu stören. Cat nahm auf dem Sofa Platz und versank beinahe in der viel zu weichen Polsterung.

»Wir werden bis zur Ankunft auf unserem Mutterschiff etwa eine Stunde brauchen«, erklärte Talon. »Bitte mach es dir solange bequem. Es ist dir gestattet, dich überall umzusehen außer im Cockpit, und falls du hungrig oder durstig bist«, er hob fragend die Augenbraue, »steht es dir frei, dich hier zu bedienen.« Er beugte sich hinunter und öffnete einen kleinen Schrank unter der Bar. In den Beuteln waren vermutlich getrocknete Nahrungsmittel, aber solange sie die fremdartigen, geschwungenen Schriftzeichen nicht identifizieren konnte, würde sie lieber verzichten.

»Danke«, sagte sie höflich. »Wirst du mir in der Zeit Gesellschaft leisten? Ich würde gerne mehr über dich und meine neue Heimat erfahren.« Sie versuchte vergeblich, seinen Gesichtsausdruck zu deuten, und warf den Kopf in den Nacken. So würde das nie funktionieren, nicht von dieser tiefsitzenden Position aus. Besser, sie sorgte gleich für klare Verhältnisse und stand auf, um nicht ständig zu ihm aufsehen zu müssen. Es war nicht ganz einfach, sich aus dem Sofa heraus zu kämpfen, und nach einer entwürdigenden Zappelei verlor Talon die Geduld und zog sie hoch. Seine Haut war warm und trocken und fühlte sich so seidig an, dass sie unwillkürlich einmal mit dem Daumen über seinen Handrücken strich.

Er zuckte zurück, als habe ihre Berührung ihn verbrannt. Seine Pupillen weiteten sich, bis von dem glühenden Gold seiner Augen nur noch ein schmaler Ring zu sehen war. Ein dumpfes Grollen kam aus seiner Kehle. Cats Herz tat einen heftigen Schlag, und sie wich zurück. »Es tut mir leid«, stammelte sie und verfluchte sich im Stillen für ihre unwillkürliche Reaktion. »Ich wollte dir nicht zu nahe treten. Ich dachte …« Ihre Stimme verlor sich.

»Schon gut«, knurrte Talon. Er blähte die Nüstern, und Cat sah, dass ein Tropfen Schweiß seine Schläfe herunterrann. Er trat langsam zurück, als kostete ihn die Bewegung alle Selbstbeherrschung, derer er fähig war.

»Ich werde dich jetzt allein lassen. Man erwartet mich im Cockpit. Alles andere«, er sah auf einen Punkt, der irgendwo hinter ihrem Kopf war, »klären wir, wenn wir auf der Stella Solaris sind.« Er wandte sich um, doch bevor er hinter der Tür verschwand, die wahrscheinlich zur Pilotenkanzel führte, sah er sie noch einmal mit diesem Blick an, der in ihr Angst und etwas anderes, unnennbares auslöste. »Falls du dich auf deine Aufgabe schon einmal vorbereiten möchtest, findest du auf dem Tisch neben dem Sofa ein Handbuch. Es enthält alles, was du über deine neue Heimat und deinen Ehemann wissen musst.« Mit diesen Worten verschwand er grußlos und ließ Cat zurück, die einen Moment brauchte, um seine Worte zu begreifen. Doch erst als sie den Titel des ziemlich umfangreichen Heftes sah, dämmerte ihr, dass sie einen Fehler gemacht hatte. »Der König von Kanthari 7 und seine Bräute«, stand dort in dicken Lettern. Unter dem Titel sah man den gleichen Mann, dessen Porträt ihr vorhin aufgefallen war, mit einem wesentlichen Unterschied: Hier saß er auf einem mit prachtvollen Schnitzereien verzierten Thron, und zu seinen Füßen kauerten weibliche Wesen jeder Farbe und jeder Art, die man sich vorstellen konnte, und auch einige, die man sich lieber nicht vorstellen wollte.

Talon war nicht ihr zukünftiger Ehemann. Das Schicksal hatte ihr einen Platz im Harem von Ferthoris III gesichert.

 

****

Talon überließ das Steuern des Raumgleiters seinem Offizier. Der vorlaute Jungspund hatte nur einen Blick auf Talons düstere Miene werfen müssen, und alle Fragen nach der neuen Frau waren ihm im Hals stecken geblieben. Talon bellte seine Befehle, und schon hoben sie ab in Richtung der Stella Solaris. Der wendige kleine Flieger passierte die irdischen Barrieren, ohne dass sie auch nur einmal angehalten wurden. Wahrscheinlich, dachte er zynisch, saßen die zuständigen Offiziere herum, tranken ihr ekelhaftes Bier und prahlten mit ihren Weibergeschichten. Menschen! Es wunderte ihn immer wieder, dass diese Spezies noch nicht ausgestorben war. Sie hatten nicht nur die Biosphäre ihres eigenen Lebensraumes zerstört, sondern taten auch alles, um sich gegenseitig auszurotten. Er hatte ja nichts gegen einen vernünftigen kleinen Eroberungsfeldzug oder einen Krieg, wenn es galt, die Heimat zu verteidigen, aber kein Kantharener (nicht einmal ihr verrückter König) würde jemals die eigene Rasse angreifen. Er schüttelte den Kopf. Die Menschen hatten nicht nur in einem wahnwitzigen Unternehmen versucht, andere Rassen zu unterjochen und fremde Planeten zu erobern, sie hatten sich auch gegenseitig nahezu vernichtet. Sie hatten sogar verrückte Experimente an der eigenen Rasse vorgenommen. Wie skrupellos musste ein Wissenschaftler sein, um sich für derartige Forschungen herzugeben? Im Laufe der Jahre waren auf diese Art Menschen entstanden, die über ganz besondere Fähigkeiten verfügten. Einige konnten in die Zukunft schauen, andere wiederum Dinge mit der Kraft ihrer Gedanken bewegen. Was wohl das neue Spielzeug des Königs vermochte? Wahrscheinlich, überlegte er resigniert, war dies der Grund, warum Ferthoris III überhaupt solch eine Riesensumme für ein Weibchen eingesetzt hatte. Er hatte bereits mehr als genug legitime Söhne, und seine illegitimen waren so zahlreich, dass er seine Leibwache aus ihnen rekrutierte. Der Kick, den eine neue Frau ihm bereitete, hielt ein, zwei Wochen an, dann wurde ihm sein neues Spielzeug langweilig. Diese hier jedoch …

Talon lehnte sich zurück und schloss die Augen, dankbar für den Moment der Ruhe, bevor er wieder seinen Pflichten als Commander seines Schiffes nachkommen musste. Diese Frau mit dem Katzennamen war ihm unter die Haut gegangen. Wenn er ehrlich war, nicht nur unter die Haut, sondern auch in die Lenden. Sie war für eine menschliche Frau groß und wirkte stark genug, um mit einem Löwen zu kämpfen. Und doch lauerte unter der Stärke, die sie zur Schau trug, eine Verletzlichkeit, die ihn wider Willen berührte. Er ballte unwillkürlich die Fäuste, als er sich Cat im Bett des Königs vorstellte, wie sie sich unter ihm wand und kleine Laute der Lust ausstieß.

Wenn er nicht gut auf sich achtgab, dann würde er wirklich geköpft, und zwar wegen Hochverrats und nicht wegen Großmäuligkeit.

Ach was, wem wollte er etwas vormachen?

Es war bereits zu spät für Vorsicht. Das Raubtier in ihm hatte nur einen kurzen Blick auf Cat werfen müssen, auf ihre Brüste, die sich selbst unter dem dicken Anorak deutlich abzeichneten, auf ihre runden Hüften und das helle, lockige Haar unter der Kapuze, und es hatte begehrlich die Krallen gewetzt. Mehr als das, sein Tier hatte gebrüllt, und es war kein Kampfschrei gewesen, sondern der eines paarungsbereiten Raubtiers, das ein Weibchen für sich beanspruchte.

 

 

Ende der Leseprobe

 

BALD AUCH ALS HÖRBUCH

AUF AUDIBLE

Spieldauer: 7 Std. 14 Min.

Gesprochen von: Lisa Stark