Alien - Die Gefangene

Alien - Die Gefangene

Mind Travellers 1

 

Science Fiction Liebesroman (18+), Länge: ca. 226 Seiten

Cassie Burnett

 

Ich bin einer der wenigen Menschen, die den Kampf gegen die Sethari noch nicht aufgegeben haben. Eher würde ich sterben, als mich den Aliens auszuliefern, die uns Menschen seit mehr als einhundert Jahren versklavt haben. Dann passiert das Undenkbare: Eine andere Rasse Aliens erreicht die Erde und bietet den Menschen einen Handel an. Im Austausch gegen gesunde Frauen vernichten sie die Tyrannen.

 

Ich werde dem Anführer der Aliens zugesprochen, um mit ihm gesunde, lebensfähige Kinder zu zeugen. Ich habe gesehen, wie er die Sethari vernichtete, und bin auf alles gefasst, nur nicht auf eines – dass dieser unbarmherzige Krieger mit den seltsamen Augen und der schuppigen Haut in mir Gefühle weckt.

 

 

Khazaar Drasurq

 

Wir haben unseren Teil der Abmachung erfüllt. Jetzt erwarten wir die weiblichen Exemplare dieser Spezies, die unsere Wissenschaftler als genetisch kompatibel erklärt haben. Auch ich muss meine Pflicht erfüllen und einen Nachkommen zeugen.

 

Die Frau, die mir vor die Füße fällt, sieht viel zu zerbrechlich aus für meinen Geschmack. Und doch hat sie etwas an sich, das mich berührt. Auch mein Körper reagiert viel heftiger, als es schicklich ist. Denn in meiner Position darf ich keine Gefühle empfinden, außer der Lust am Siegen. Ich habe unterschätzt, wie aufregend es sein kann, eine Frau statt fremder Welten zu erobern...

 

 

Dies ist der erste Band der "Mind Travellers" - Reihe.

"Die Story ist so spannend und prickelnd geschrieben... Wer auf Romantik und Siencefiction steht, kommt hier auf seine Kosten."

 

"Die Geschichte hat Wendungen, die ich nicht erwartet hatte, und den erotischen Teil fand ich sehr ansprechend."

 

"Bin wieder sehr begeistert."

 

"Phantastisch geschrieben, man will es nicht weglegen..."

 

"Ich hoffe auf eine Fortsetzung."

 

Amazon Bewerter

Leseprobe:

 

Die Sethari, die uns seit über 100 Jahren ausgebeutet, versklavt und die menschliche Rasse auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Zahl reduziert haben, sind vernichtet. Ich müsste mich freuen und mit den anderen feiern, die von nun an frei und selbstbestimmt leben dürfen. Die ganze Welt erbebt in einem Glückstaumel, nur meine Leidensgenossinnen und ich nehmen nicht an den pompösen Feierlichkeiten teil. Denn wir sind Gefangene, Kriegsbeute, Brutkästen für die fremdartigen Wesen, die den Sethari den Garaus gemacht haben. Niemand hat uns gefragt, ob wir bereit sind für die Reise in eine fremde Welt. Niemand wollte wissen, ob wir überhaupt Kinder wollen, mal ganz abgesehen davon, ob wir uns mit Aliens paaren möchten. Das haben die Mächtigen so entschieden.

 

Sie haben uns erzählt, dass die Menschheit dank unserer Folgsamkeit überleben wird. Ich stehe aufgereiht mit 167 anderen gesunden, jungen Frauen in einer Reihe und warte darauf, dass der Präsident mir die Hand schütteln und mir persönlich danken wird. Am liebsten würde ich ihn fragen, warum nicht seine Gattin mit der ausladenden Frisur und dem starren Gesicht meinen Platz einnimmt. Wo hat er gesteckt, als Leute wie ich sich im Untergrund verstecken mussten, um nicht hingerichtet zu werden? Er ist das, was man im Zweiten Weltkrieg einen Kollaborateur nannte. Jemand, der gute Miene zum bösen Spiel macht, um sein kleines bisschen Macht nicht zu verlieren. Er ist nichts als eine Spielfigur, die von den Sethari eingesetzt wurde, um uns auch den letzten Rest von Widerstandsgeist auszutreiben. Der angeblich mächtigste Mann der Welt, der Präsident des gesamten Weltverbandes, hat unzählige Todesurteile unterzeichnet, um seine eigene Haut zu retten. Und als sich eine Chance bot, die Tyrannen loszuwerden, hat er sie ergriffen. Das muss ich ihm lassen, diesem Mann mit dem grauen Haar und den kalt wirkenden, blauen Augen: Sobald die Qua’Hathri Kontakt zu ihm aufgenommen hatten, war er bereit, die Sethari den Löwen zum Fraß vorzuwerfen.

 

Nicht, dass ich Mitleid mit ihnen hätte – sie haben sich über hundert Jahre lang an der Menschheit schadlos gehalten. Sie sind Energievampire, und das meine ich nicht im übertragenden Sinne des Wortes. Die Sethari haben uns gehalten wie Vieh und den Menschen die Energie entzogen, die sie zum Überleben brauchen. Und Mr. President, der sich mir gerade nähert, hat ihnen den notwendigen Nachschub besorgt.

 

Die Wut treibt mir die Tränen in die Augen, als ich den Mann zum ersten Mal live sehe. Die riesigen Leinwände, die an beinahe jeder Straßenecke stehen und von denen er regelmäßig mit salbungsvollen Worten zu uns sprach, werden ihm nicht gerecht. Eine kleine Wampe versteckt sich unter seinem maßgeschneiderten Anzug. Der Gedanke, dass er sich einen Bauch anfressen konnte, während meine Geschwister im Abfall nach Nahrung suchen mussten, beschleunigt meinen Herzschlag. Ich balle die Fäuste und versuche, mich zu beruhigen. Aber alles, was ich sehe, ist sein selbstzufriedener Gesichtsausdruck. Später kann er via Livestream verkünden, wie erfolgreich er die Menschheit vor der totalen Vernichtung gerettet hat.

 

Seine Frau steht zwei Schritte hinter ihm, ganz wie es sich für ein braves Mädchen gehört. Nicht ganz so brav sind die Blicke, die sie ihrem Begleiter zuwirft. Es ist Khazaar Drasurq, der Warlord der Qua’Hathri. In gewisser Weise kann ich verstehen, warum sie ihn anschmachtet. Er sieht auf eine fremdartige Weise gut aus, und bestimmt hat auch sie am Bildschirm beobachtet, wie er die Sethari vernichtend schlug. Ich muss zugeben, dass auch ich nicht den Blick von ihm wenden kann. Die Erinnerung an den hochgewachsenen Krieger, der mit seinem glänzenden Schwert einen Sethari nach dem anderen köpfte, ist immer noch präsent. Er erinnert mich an einen mittelalterlichen Kriegsherrn, der sich nicht zu fein ist, selbst aufs Schlachtfeld zu reiten und sich in den Kampf zu stürzen. Denn allen Fortschritten zum Trotz, die die Technik in den letzten zweitausend Jahren ausgemacht hat, waren die Sethari quasi unverwundbar. Bis Khazaar Drasurq und seine Krieger auftauchten. Mit ihren Schwertern, Dolchen und Lanzen aus Qua’Hathri-Stahl gelang es ihnen, die gummiartige Haut der Sethari zu durchbohren.

 

Sie sind fast bei mir, der Präsident und seine Entourage. Ich versuche, ihn auszublenden und sehe stattdessen Khazaar an. Trotz der flachen Schuppen, die seine helle Haut bedecken, und trotz der seltsamen Augen wirkt er sehr maskulin. Die humanoiden Wesenszüge dominieren sein Erscheinungsbild. Seine Augen streifen mich und bleiben kurz an mir hängen. Die goldgelbe Iris hat eine schlitzförmige Pupille, so wie man es von Katzen kennt – kannte, sollte ich wohl sagen, denn die meisten Haustiere sind mittlerweile ausgerottet. Am besten gefällt mir sein Haar, das in dunklen Wellen bis auf die Schultern fällt. Es schimmert blauschwarz und sieht seidig aus. Während er mich ansieht, weht sein Duft zu mir herüber und hüllt mich ein. Sofort möchte ich die Augen schließen und in diesem Geruch baden. Für mich duftet er nach Milch und Honig, nach Marzipan und Buttercroissant, Dinge, die ich das letzte Mal als Kind gegessen habe. Wahrscheinlich entspanne ich mich deshalb, weil sein Geruch mit den letzten schönen Erinnerungen an meine Eltern verknüpft ist. Ich schnuppere unauffällig, und nun nehme ich unter den süßen Noten etwas Herberes wahr. Ein Hauch von Moschus streift meine Geruchsrezeptoren und beschleunigt meinen Pulsschlag. Wenn sie alle so gut riechen wie der Warlord, dann wäre der Sex vielleicht nicht so schlimm, wie ich befürchte. Dann könnte es mir gelingen, die Tatsache zu vergessen, dass ich und all die anderen Frauen nichts als Brutgefäße für die Kinder der Qua’Hathri sind.

 

Der Präsident wechselt noch ein freundliches Wort mit der kleinen Blondine neben mir, dann steht er vor mir und streckt seine Hand aus. Ich ergreife sie und sehe ihm lächelnd in die Augen. Im Widerstand habe ich gelernt, wie man einen Gegner durch gezielten Druck auf empfindliche Punkte des Körpers unschädlich macht. Und obwohl ich nur einen Bruchteil meiner Kraft anwende, geht der mächtigste Mann der Welt vor mir in die Knie. Das tut gut, auch wenn es nicht besonders klug ist. Seine Leibwächter, die sich bislang feixend im Hintergrund gehalten haben und daher diese Bezeichnung kaum verdienen, umringen uns und zielen mit der Waffe auf mich. Anders als die Sethari habe ich keine dicke, feste Gummihaut, die Kugeln abwehrt. Kurz schießt der Gedanke durch meinen Kopf, dass Sterben vielleicht gar nicht so schlimm wäre. Auf diese Weise könnte ich die Pläne des Mannes, der inzwischen vor Schmerz und Anspannung schwitzt, durchkreuzen. Aber wenn ich tot bin, finden sie eine andere Frau, die mit den Qua’Hathri gehen muss, also lasse ich ihn los und trete einen Schritt zurück. Immer noch lächle ich, und diesmal ist es ein Lächeln echter Zufriedenheit. Ich werde ihm in Erinnerung bleiben, dessen bin ich sicher.

 

Khazaar beobachtet die Szene, ohne einzugreifen. Sehe ich da etwas wie ein Lächeln über seine verschlossenen Züge huschen? Erst als der Präsident wieder auf den Beinen steht, gestützt von seiner Frau und umgeben von besorgten Leibwächtern, meldet er sich zu Wort. Khazaar tritt ganz nahe zu mir, und ich muss den Kopf in den Nacken werfen, um in seine Augen zu sehen. Während die Frauen links und rechts neben mir ängstlich vor dem riesigen Kriegsherrn zurückweichen, zwinge ich mich stehen zu bleiben. Obwohl mein Herz viel zu schnell schlägt und meine Knie zittern, habe ich keine Todesangst. In seinen fremdartigen Augen lese ich so etwas wie Anerkennung, und an der Art, wie sein Blick kurz den schweißgebadeten Präsidenten streift, erkenne ich seine Verachtung für den Mann.

 

»Warum hast du das getan?«, fragt er. Seine tiefe Stimme klingt angenehm und ruhig, fast so, als wüsste er die Antwort bereits. Etwas kratzt überaus vorsichtig an der Barriere, die ich um meinen Geist errichtet habe. Es fühlt sich an wie ein höfliches Klopfen, mit dem man um Eintritt bittet. Aber noch bin ich nicht bereit, jemand anderem Zutritt zu meinen Gedanken zu gewähren. Stattdessen schicke ich meinen Geist aus, so wie ich es gelernt habe, und klopfe bei ihm an. Für den Bruchteil einer Sekunde weiten sich seine Augen, und zu meinem grenzenlosen Erstaunen gewährt er mir Zugang zu seinen Gedanken.

 

Seine Gedanken sind so fremd wie sein Aussehen. Ich bin zu aufgeregt, um mehr als einen kleinen Teil seiner Empfindungen zu spüren. Fast alle seine Gedanken drehen sich um das Erobern fremder Welten. Nicht das Töten ist es, was ihm Spaß macht, sondern die Unterwerfung. Uns Menschen, so erkenne ich, hat er nur aus einem einzigen Grund verschont: Wir sind genetisch kompatibel. Die Qua’Hathri sind eine aussterbende Rasse, genau wie die Menschen, und er hat sich aufgemacht, die passenden Frauen zu finden. Plötzlich lässt er die Barrieren herunter, und ich bin mit einem Ruck wieder in meinem Körper.

 

Die ganze Episode kann nicht länger als ein paar Sekunden gedauert haben. Für Außenstehende muss es gewirkt haben, als starrten wir einander zu lange in die Augen. Mein Mund ist trocken, und ich schlucke. Nun kennt er mein Geheimnis, meine Gabe. Ich verfluche meine mangelnde Selbstbeherrschung und meine Neugierde, aber es sieht nicht so aus, als wolle er mich dafür bestrafen. Ganz im Gegenteil, sein Interesse an mir ist offensichtlich.

In diesem Moment tritt mir einer der Leibwächter von hinten in die Kniekehlen, und ich stürze zu Boden. »Beantworte die Frage des Herrn, sofort«, röhrt er und macht Anstalten, noch einmal zuzutreten. Der Schmerz ist unbeschreiblich, aber noch schlimmer ist die Erniedrigung, vor Khazaar auf dem Boden zu liegen.

 

Noch bevor ich Atem holen kann, um den feigen Typen zu beschimpfen, der von hinten angreift, überschlagen sich die Ereignisse. Plötzlich liegt der Leibwächter auf dem Boden. Khazaars Fuß ruht auf seinem Brustkorb, und ich höre das Knirschen und Knacken, als zwei Rippen brechen. Der Mann schreit, und der Kriegslord nimmt sanft und unbeschreiblich elegant seinen Fuß von seinem Körper. Schneller als ich blinzeln kann, glitzert ein scharf aussehender, mit roten Steinen geschmückter Dolch an der Kehle des Leibwächters. Khazaars Stimme ist nicht lauter als ein Flüstern, aber buchstäblich jeder im Saal erstarrt vor der Eiseskälte, die in ihr mitschwingt. »Du wagst es, die Braut des Warlords der Qua’Hathri anzufassen?« Die Spitze des Dolches bohrt sich in die verletzliche Stelle unter dem zuckenden Adamsapfel des Mannes.

 

»Es … tut mir leid«, krächzt der Mann, » Mylord, ich wusste nicht, dass Ihr sie auserwählt habt.«

 

Da ist er nicht der Einzige.

***

 

Mein gesamter Körper ist im Aufruhr. Ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll, dass er mich als seine Braut bezeichnet, oder ob mich das in nackte Angst versetzen soll. Immerhin hat er das Wort Braut benutzt, was signalisiert, dass er unsere Beziehung legalisieren wird. Über die Details des Vertrags zwischen den Qua’Hathri und den Menschen wurde Stillschweigen bewahrt. Wir wussten nur so viel: Für jeden Krieger, der im Kampf gegen die Sethari fiel, verlangte Khazaar eine gebärfähige Frau. Wir wussten nicht, ob wir als Sexsklavinnen, als Geliebte oder als Ehefrauen gelten würden. Meine Hoffnung war, dass die Wissenschaftler uns künstlich befruchten würden, denn Sex mit einer anderen Spezies stand nicht unbedingt auf meiner Liste der Dinge, die ich vor meinem Tod unbedingt getan haben wollte.

 

Jetzt aber hat sich die Situation verändert. Im Shuttle zu den Raumschiffen herrschte absolute Stille. Einige warfen mir mitleidige Blicke zu, andere waren offensichtlich gekränkt, dass ich mich in den Vordergrund gespielt und die Aufmerksamkeit des Herrn erregt hatte. Oben angekommen, wurden wir durch ewig lange Gänge geschleust, bis wir in einer Art Wartehalle landeten. Dort wurden wir aufgeteilt, und zwar nach Haarfarbe. Jede Gruppe verschwand hinter einer Tür und wurde von Ärzten in Empfang genommen. Sie untersuchten uns so gründlich, dass es beinahe schon wie eine Beleidigung wirkte. Ich wurde entkleidet, man nahm mir Blut ab, untersuchte meine Fortpflanzungsorgane und kontrollierte sogar meine Zähne. Ich kam mir vor wie eine Kuh, die auf dem Viehmarkt verkauft werden sollte. Der Alien, der mich untersuchte, war einer der besonders gründlichen Sorte, dabei kalt wie ein Fisch. Er sah, wie die meisten Qua’Hathri, die ich bislang zu Gesicht bekommen hatte, gut aus. Sie alle sind groß, muskelbepackt und haben kein Gramm Fett auf den Rippen. Das weiß ich, weil sie in ihrem Raumschiff nur mit einer weiten Hose bekleidet herumlaufen. Jeder Mann – denn es sind Männer durch und durch, man kann das Testosteron förmlich mit Händen greifen – präsentiert voller Stolz seinen narbenbedeckten Oberkörper. Und da die Hose an den Hüften sehr eng anliegt und nach unten weiter wird, bleibt alles, was knapp unterhalb der Gürtellinie liegt, nicht der Fantasie überlassen. Ich habe noch nie so viele verschiedene Hautfarben auf einmal gesehen. Von Hellrot bis zum dunklen Violett ist alles vertreten. Auch Haarfarbe und Augenfarbe variieren, nur die schlitzförmige Pupille und die schuppenbedeckte Haut haben sie gemein. Und sollte nicht jeder einzelne seine Hose ausgepolstert haben, dann lässt auch der Rest ihres Körpers keine Frauenwünsche offen.

 

Sie haben mich gebadet und eingekleidet. Nun warte ich im Bett des Kriegers auf seine Ankunft und darauf, was mit mir geschehen wird. Vielleicht habe ich mit der Aktion unten meine gesamte Energie verbraucht, denn ich bin so müde wie nie zuvor in meinem Leben. Ständig fallen mir die Augen zu, obwohl mir die Ungewissheit meiner Zukunft den Schlaf rauben sollte. In diesem erstaunlich luxuriös ausgestatteten Bett wach zu bleiben ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die weichen Kissen und die dicke Decke sind zu verführerisch. Ich schließe die Augen.

 

Als ich aufwache, steht er vor dem Bett und starrt mich an.

 

Auch Khazaar trägt eine dieser Hosen, allerdings besteht seine aus einem dunklen Stoff, der mit roten Fäden durchwebt ist. Der Stoff sieht kostbar aus, aber das ist es nicht, was meinen Blick auf sich zieht. Ich spüre, wie mir die Hitze ins Gesicht steigt und ziehe die Decke hoch bis zum Hals. »Ich bin eingeschlafen«, stelle ich das offensichtliche fest und wundere mich, wie entschuldigend mein Tonfall klingt. Statt die Frage zu stellen, die mir am schwersten auf der Seele liegt, betreibe ich Konversation. Als nächstes werde ich ihn fragen, wie das Wetter da draußen im Weltraum ist, nur um nicht mehr seinem beunruhigenden Blick standhalten zu müssen.

 

»Steh auf«, sagt er. Ich zucke zusammen, denn der harsche Ton weckt schlechte Erinnerungen. Ich merke, wie sich mein Körper anspannt und alles in mir auf Widerstand schaltet. Trotzig starre ich ihn an und schüttele den Kopf.

 

»Nein.«

 

Dieses eine Wort reicht, um seine schön geschwungenen Augenbrauen in Bewegung zu versetzen. Sie ziehen sich zusammen und bilden ein perfektes V. Seine Lippen zucken kurz, und ich frage mich, wie es wäre, sie auf meinen zu spüren. Dann rufe ich mich energisch zur Ordnung. Was ist es nur, das meine Hormone tanzen lässt, wann immer er mir nahe kommt? Seine Augenfarbe wechselt von Gold zu einem feurigen Orangerot, und die Schuppen auf seiner Haut richten sich minimal auf. Das leise knisternde Geräusch, das dabei entsteht, geht mir durch und durch. Kurz hatte ich vergessen, dass er kein Mensch ist, aber dieses Geräusch erinnert mich nachdrücklich an seine Herkunft.

 

Er tritt näher ans Bett und setzt sich auf die Kante. Unter seinem Gewicht ächzt die Matratze, was mich noch mehr erröten lässt. Ich bin froh, dass es keinen Spiegel gibt, in dem ich mich anschauen muss.

 

»Cassie Burnett«, sagt er, und mein Name tropft aus seinem Mund wie Honig. Wieder hüllt mich sein Duft ein, und ich merke, wie sich mein Pulsschlag beruhigt. »Es gibt keinen Grund, dich vor mir zu verstecken. Du gehörst nun mir.«

 

»Ich gehöre niemandem«, fauche ich und schüttele die Benommenheit ab, die sein Geruch in mir auslöst. »Ich bin nicht freiwillig hier, wie du dir sicher denken kannst.«

 

Erstaunt sieht er mich an. »Da hat euer Präsident aber etwas ganz anderes gesagt«, antwortet er und sieht nun richtig finster aus. »Er hat mir versichert, dass jede einzelne von euch es als eine Ehre empfindet, die Kinder der Qua’Hathri zu empfangen und der Menschheit einen Dienst zu erweisen.« Er seufzt leise. »Nun, euer Präsident ist ein feiger, wichtigtuerischer Mistkerl, und ich hätte es besser wissen müssen. Aber wo du nun einmal da bist …« Milch- und Honigduft weht zu mir herüber. Jetzt bin ich mir sicher, dass er mit voller Absicht diesen Geruch nutzt, um mich einzulullen.

 

»So funktioniert das nicht«, stelle ich fest. Mein Blick schweift durch den Raum und kehrt doch wie magisch angezogen zu Khazaar zurück. Ich darf nicht vergessen, dass ich seine Gefangene bin, auch wenn er mich seine Braut nennt. Und ich muss ihn dazu bringen, mit diesen Manipulationen aufzuhören, sonst weiß ich bald nicht mehr, welche Gefühle aus mir selbst kommen und welche er in voller Absicht bei mir hervorruft. Er ist zwar ein gut aussehender Mann, aber eben auch ein manipulatives Alien. Ich nehme all meinen Mut zusammen und sehe ihm in sein schönes, scharf geschnittenes Gesicht. Die wache Intelligenz in seinen Augen macht es mir nicht leichter, mit ihm zu sprechen. Oder vielleicht doch? Es ist einen Versuch wert. Ich hole einmal tief Atem. »Du willst ein Kind von mir«, fange ich an, aber er unterbricht mich sofort.

 

»Von wollen kann keine Rede sein«, grollt er mit dieser Stimme, die mir Gänsehaut macht. Ich brauche einige Sekunden, um das Gehörte zu verarbeiten. Dann macht es Klick. Er will mich gar nicht? Ich bin erleichtert, aber unter die Erleichterung mischt sich das altbekannte Gefühl des Zurückgewiesenwerdens.

 

»Was mache ich dann hier?«, frage ich.

 

Er seufzt noch einmal, diesmal mit einem deutlichen Unterton von Ungeduld. »Was meinst du mit hier? Hier in meinem Quartier, hier oben auf dem Schiff, hier bei den Qua’Hathri? Dass ihr Menschen euch immer so ungenau ausdrücken müsst. Bitte versuche, deine Fragen präzise zu formulieren.« Statt eines Herzens muss er eine Rechenmaschine in seinem Brustkorb haben, denn er klingt so staubtrocken wie ein Buchhalter.

 

»Ich meine, warum hast du mich und die anderen Frauen eingetauscht gegen eure Hilfe, wenn du mich nicht willst?«

 

Er nickt beifällig. »Die Qua’Hathri sterben aus.« Er schweigt und sieht mich erwartungsvoll an, als würden diese vier Worte genügen, um alles zu erklären. Jetzt ist es an mir zu seufzen, und ich lasse ihn meine Ungeduld spüren.

 

»Und warum sucht ihr euch nicht Frauen, die freiwillig mit euch Nachkommen produzieren?«

 

»Keine Frau würde freiwillig mit einem Kriegervolk wie den Qua’Hathri gehen«, sagt er und runzelt die Stirn. »Wir haben es ein paar Mal versucht, aber keine ist lange genug geblieben, um ihren Zweck zu erfüllen. Und als unsere Wissenschaftler die Menschen als genetisch kompatibel erklärten, habe ich beschlossen, es mit einem Tauschgeschäft zu versuchen. Ein Leben gegen ein Leben.« Die Zahl der Frauen an Bord entspricht exakt der Anzahl der gefallenen Krieger.

 

»Dir ist nicht der Gedanke gekommen, dass wir etwas dagegen haben könnten?«, frage ich.

 

»Euer oberster Herrscher, den ihr Präsident nennt, hat nichts dergleichen gesagt. Es spielte also für uns keine Rolle.«

 

Ich schnaube verächtlich. Wie er so auf der Bettkante sitzt und mir seine Welt erklärt, in der andere Emotionen als Kampflust und Eroberungswut keine Rolle spielen, kommt er mir fast schon menschlich vor. Die Männer unten auf der Erde sind nicht viel anders, auch ihnen geht es meistens nur um Besitz und Eroberung. Sie wissen nur besser, wie man Liebe vorspielt, das ist alles. Dieser kühle Kriegsherr, mein Bräutigam, weiß es nicht.

 

In Sekundenschnelle überlege ich, ob ich nicht doch lieber zurück auf die Erde will. Bereits vor der Ankunft der Sethari im Jahre 3916 stand es nicht gut um uns. Seuchen und Umweltverschmutzung hatten die Menschheit in die Knie gezwungen, aber erst als die Sethari ankamen, drohte uns die endgültige Vernichtung. Und was habe ich zu verlieren, wenn ich mit diesem Alien in seine Heimat reise? Ich habe vor fünf Jahren meinen letzten Verwandten beerdigt, und unser oberster Herrscher – dass ich nicht lache! – wird mich nicht mit offenen Armen willkommen heißen. Wahrscheinlich kann ich von Glück sagen, wenn ich nur im Gefängnis lande und nicht wegen Beleidigung und tätlichen Angriffs auf unser Staatsoberhaupt die Giftspritze bekomme. Also danke, aber nein danke.

 

»Warum hast du mich ausgewählt, aus allen anderen?« Das ist eine Frage, die ich unbedingt noch stellen muss.

 

»Das habe ich nicht«, gibt er zurück. »Unser Computer hat dich als die Frau ausgewählt, die am besten zu meinen Genen passt und mit der ich zu 97 % erfolgreich sein werde.« Es versteht sich von selbst, dass er nicht von einer erfolgreichen Ehe, sondern nur von der Produktion der Nachkommen spricht. »Ich hatte dein genetisches Profil vorab bereits bekommen, ich erkannte dich also. Und als dieser Soldat dich verletzt hat, habe ich meinen Besitz geschützt.« Er fixiert einen Punkt genau über meinem Kopf. Seine Schuppen geraten in Bewegung und rascheln leise. Das verleiht mir etwas Selbstvertrauen, und ich richte mich auf, straffe die Schultern.

 

»Das mit dem Besitz kannst du vergessen«, erkläre ich mit fester Stimme. Zumindest hoffe ich, dass sie fest klingt. »Und was heißt überhaupt, dass du nicht willst? Wer zwingt dich denn dazu, mit mir Sex zu haben? Ich ganz sicher nicht. « Ich kann einfach nicht anders und will unbedingt wissen, ob er mich körperlich abstoßend findet oder prinzipiell keine Lust auf Frau und Kind hat.

 

»Als Warlord der Qua’Hathri muss ich mit gutem Beispiel vorangehen«, sagt er und rückt ein Stück näher. Ich hebe warnend den Zeigefinger, obwohl ich mir dabei ein wenig lächerlich vorkomme.

 

»Keine Manipulationen«, sage ich und sehe in seine goldenen Augen. Wenn er nur ein klein wenig seinen Charme spielen ließe … schnell verdränge ich den Gedanken daran, wie sich seine Haut wohl auf meinem nackten Körper anfühlen würde.

 

»Ich könnte dich zwingen«, bemerkt er in lockerem Tonfall, der mir nicht gefällt. Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, schwingt er sich in einer fließenden Bewegung aufs Bett und klemmt mich zwischen seinen Oberschenkeln ein. Sein Duft raubt mir die Sinne, und diesmal klopft er nicht höflich an. Jetzt ist er direkt in meinem Kopf, so schnell, dass ich keine Chance habe meine mentalen Barrieren hochzufahren. Er lässt Bilder in meinem Kopf entstehen, die so intensiv sind, dass ich nicht mehr zwischen Vorstellung und Realität unterscheiden kann. Ich sehe mich durch seine Augen. Klein bin ich und viel zu dünn, um in den Genuss seiner vollen Aufmerksamkeit zu kommen. Während er sich auf mich legt und seine Zunge über meine leicht geöffneten Lippen fährt, spüre ich seine Wärme. Die Schuppen liegen glatt an, und nicht viele Dinge unterscheiden ihn von einem menschlichen Mann. Ein leises Stöhnen kommt über meine Lippen, und ich merke, wie sich mein Körper verselbstständigt. Meine Hüften heben sich ihm lustvoll entgegen.

 

Dann, mit einem Ruck, entlässt er mich aus seinem mentalen Griff, und ich bin wieder in der Realität angekommen. Meine Brust hebt und senkt sich unter dem dünnen Nachthemd.

 

»Du siehst, ich würde es dir leicht machen«, sagt er lässig, aber ich schüttele trotzig den Kopf. Ich bin froh, dass er mich nicht zwingt, ihm zu Willen zu sein, aber wenn er solche Macht hat, warum nutzt er sie nicht? Als ich ihn das frage, hebt er die Augenbrauen. »Warum sollte ich das tun? « Echte Verwunderung klingt in seiner Frage mit. »Ich bin Khazaar Drasurq. Ich habe es nicht nötig, eine Frau gegen ihren Willen zu nehmen. Wenn du mich nicht willst, dann entlasse ich dich aus meinen Diensten. Ich werde eine Frau finden, die mich gern in ihr Bett lässt und die mir gesunde Kinder schenken wird. « Er steht auf, und wieder fällt mir auf, wie groß er ist. »Ich melde den Wissenschaftlern, dass wir entgegen ihrer Prognose nicht kompatibel sind. Du kannst mit den anderen Frauen zusammenleben, bis du den passenden Partner gefunden hast.« Kühl und beherrscht sieht er mich an, dann verlässt er sein Quartier.

 

So einfach ist das.

 

Ich war die Braut eines Alien Warlords.

 

 

***

 

Ende der Leseprobe

 

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AUF AUDIBLE

Spieldauer: 7 Std. 11 Min.

Gesprochen von: Daisy LaFleur

 

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